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Immer noch stürmisch

25.08.2010

Agger – Hurup – (Bahn) – Ringkøbing – Sønder Havrvig

43 km

Die Prognosen hatte leider recht behalten. Der Wind blies unvermindert von Westen in Sturmstärke übers Land. Da wir nicht noch einen Tag tatenlos verstreichen lassen wollten, bauten wir in die heutige Etappe wieder ein paar Bahnkilometer ein.

Unser Ziel war genau definiert: Südlich von Hvide Sande hat die Schwester meiner Nachbarin ein Sommerhaus, wo wir Station machen wollten. Das wäre bei normalen Bedingungen genau eine Tagesetappe gewesen, wir hatten uns eingentlich schon für den Vortag angemeldet. Da die Strecke nicht nur auf den ersten 10 km derartig den Sturmböen ausgesetzt gewesen wäre, sondern es noch mehr solche Strecken in dieser Gegend gibt, beschlossen wir, bis Ringkøbing die Bahn zu nehmen.

Deswegen ging es zunächst mit diesem kräftigen Wind meistens im Rücken nach Hurup, wo die nächste Bahnstation lag. Das war eine ganz andere Radelerfahrung wie am Tag zuvor auf der Agger Tange, wo der Wind schräg von vorne kam und es quasi nur noch eine Straße im Meer gibt. Ratz-Fatz waren wir da und entkamen einem letzten sintflutartigen Schauer gerade so.

Die Bahnfahrt verlief problemlos, in kleinen, modernen, sauberen Nahverkehrszügen, sogar mit kostenlosem WLAN. Bald war Ringkøbing erreicht, ein nettes Städtchen. In einem schönen gepflasterten Hinterhof stärkten wir uns für die 10 km, die wir gegen den Wind nach Westen zurücklegen mussten.

Und das war sehr vernünftig. Kaum mit zweistelligen Geschwindigkeiten krochen wir gegen den Wind an. Wir überholten ein Paar Jogger mit kaum größerer Geschwindigkeit, als diese drauf hatten. Nach einem Pinkelstopp unsererseits hatten sie uns schnell wieder selbst überholt. Das gute daran war mal wieder, dass der schlechte Schotterweg kaum nervte…

Irgendwann kamen wir dann allerdings tatsächlich ‘ums Eck’, also an die Küste, wo es südwärts weiter ging. Und was für eine Überraschung: der Wind kam leicht aus Nordwesten und unterstützte uns stellenweise ganz gut. Dazu war der Weg nach Hvide Sande und weiter südlich davon mal wieder sehr schön: völlig autofrei schlängelt sich über viele Kilometer ein sehr schön laufender Schotterweg hinter der Düne her. So macht die Radlerei wieder Spaß und die paar Stellen, wo es nach Westen ging oder der Schotter mal wieder extrem hoppelig war, fielen nicht so sehr ins Gewicht.

Bald waren wir in dem schönen Sommerhäuschen mitten in den Dünen angekommen, wo wir den spannenden Geschichten unserer Gastgeberin lauschen durften, die viele Jahre für das rote Kreuz in der sogenannten dritten Welt als Ärztin gearbeitet hat.

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Gestrandet

24.08.2010
tags: ,

Schlechtwettertag in Agger

2,5 km

OK, das wird vermutlich den Rekord des schlechtesten Wetters der Tour bekommen und nicht mehr verlieren. Schlimmer geht fast nicht. Mir zumindest war die Radlerei heute so gut wie unmöglich – Sturm mit Böen mit bis zu 80 km/h, die mich von der Seite immer wieder auf die Mitte der Straße und fast umwehten.

Die ganze Nacht schon tobte der Sturm um unser Campinghäuschen. Die Richtung hatte er gewechselt: Hatte er gestern noch oft unterstützend von Osten geweht, drehte er irgendwann wieder auf (Süd-)Westen, um dann komplett Gas zu geben. Diese  Richtung war aber komplett unbrauchbar für die folgende Etappe. Mit einem sehr mulmigen Gefühl saß ich deswegen beim Frühstück, gingen die ersten 10 km doch auf einer wenige 100 m schmalen Landzunge nach Süden, so dass der Wind dort ungehemmt schräg von der Seite hinein hauen würde. Und auch der Rest der Etappe sah ähnlich aus: direkt am Meer mit wenig bis gar keinen Schutz durch Hügel oder Bewuchs.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Hatte ich auf dem Campingplatz noch das Gefühl, es ginge doch einigermaßen, war auf dieser ungeschützten Straße schnell Schluss mit lustig. Stefan konnte dem Wind noch einigermaßen etwas entgegensetzen, aber ich mit meinen Lowridertaschen und meinen gut 50 kg wurde in kürzester Zeit mehrfach hin und her gebeutelt. Immer wieder fand ich mich in der Mitte der Straße wieder, gefühlt kurz vor dem Abwurf von meinem Rad, ein vernünftiges Fortkommen schlicht unmöglich.

So drehten wir um und fuhren erst mal wieder zum Campingplatz zurück. Hier gibt es einen schönen Aufenthaltsraum, in dem wir erst mal eine Strategie entwickelten. Wir entschieden uns, zunächst mal abzuwarten, ob es vielleicht gegen Nachmittag etwas besser wwürde. Die Prognosen waren allerdings alle gegen uns: Sogar noch mehr Wind wurde uns für den Nachmittag versprochen.

Es schien sich zu bewahrheiten, der Sturm heulte um halb eins noch genau so heftig wie zuvor. Also bezogen wir unser Hüttchen von der Nacht zuvor neu. Die viele Zeit, die wir nun hatten, nutzen wir zumindest zu einem Teil, in dem wir ins 1 km entfernte Agger fuhren. Wir hatten bis jetzt ja nur den Campingplatz gesehen.

fiskerhuset

Ein altes Fischerhäuschen in Agger

Auch Agger ist einer der typischen Küstenorte hier: haufenweise Sommerhäuser oder Feriensiedlungen, zwischendrin putzige kleine alte Fischerhäuschen. Aufgrund der Nachsaison schien auch hier ein wenig der Hund begraben. Einen Kaffee bekamen wir in einem Take-Away, alles andere hatte zu, ob zu früh am Tag oder wegen der Nachsaison, konnte man nicht ermitteln.

Wir wagten uns kurz über die Düne an den Strand: brutal blies einem der Wind hier den Sand um die Ohren, am Durchgang in der Düne war das durch den Düseneffekt kaum auszuhalten. Die Brecher waren beeindruckend. Der Lärm ohrenbetäubend. Gemütlich ist anders.

brecher

Sturm direkt am Strand - kaum auszuhalten

Dafür kauften wir ordentlich ein, endlich mal ein wenig Zeit, etwas aufwändiger zu kochen. Ein erstaunlich gut sortierter und mit schönen frischen Waren bestückter Sparladen versorgte uns gut. Ein paar alte Fischerhäuschen waren noch zu besichtigen, bzw. zu fotografieren, und dann ging es wieder zurück zu gezwungenermaßen gemütlichem Nichtstun in unsere Hytte. Naja, so hat man wenigstens mal etwas von der zugegeben sehr schönen Unterkunft!

Gegen Abend kamen wieder sintflutartige Schauer zu der allgemeinen Wettersituation dazu – offensichtlich eine gute Entscheidung, nicht draußen auf dem Rad zu sitzen. Und es tobt weiter. Die Prognosen versprechen uns im Moment einen weiteren derartigen – oder abartigen – Tag.

Abkürzen

23.08.2010

Klim Strand – Bulbjerg – Nors – Nørre Vørupør – Agger

109 km

Ich bin jetzt endgültig ‘rum ums Eck’: von jetzt an geht es nur noch nach Süden, in Richtung Hamburg. Wunderschön begann diese Etappe, mit viel Sonne und keinem Wind mehr und endete mit sintflutartigem stürmischen Unwetter. Also auch heute hatte Dänemark wieder ordentlich Wetterextreme im Programm.

Sonnenschein durchflutete unsere wirklich schöne Campinghütte heute morgen. Auch vom kräftigen Wind war heute morgen quasi nichts übrig geblieben, hurra! So machte das um kurz nach neun Uhr, als wir aufbrachen, mal wieder viel Spaß.

Ein längeres Stück Schotterweg war noch auf dem ersten Stück Route, aber es rollte ganz gut. Bald hatten wir den Bulbjerg erreicht, auch das wieder ein schöner Aussichtspunkt auf den Höhen einer sandigen Steilküste. Am höchsten Punkt steht ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg – wie an vielen Stellen hier an der Küste. Hier wird er pfiffig als Besucherzentrum genützt und wo einst das Militär den strategisch wichtigen Bereich beobachtete, können nun Vogelbegeisterte nach Seevögeln Ausschau halten.

bulbjerg

Blick vom Bulbjerg die sandigen Klippen hinunter

Nun stand wieder eine Küstenecke auf dem Routenprogramm. Allerdings machte die offizielle Route hier einige unsinnige Schlenker, die wohl einerseits den Besuch der Orte an der Küste zum Ziel haben, andererseits die genau an der Küste verlaufende Landstraße vermeiden sollen. Deswegen machten wir uns heute recht oft unsere eigene Route und kürzten ein wenig ab. Ein Effekt dieser Routenführung war, dass man ein wenig ins Hinterland kam, wo zum einen sich das Land wieder sanft wellt und zum anderen wieder etwas mehr Landwirtschaft betrieben wird. Die letzten Kilometer waren quasi nur hinter der Düne oder im Schutzwald, der ‘Klit Plantage’, verlaufen, so war der weite Blick über Äcker oder auch hin und wieder einer Kuh aufs Maul geschaut eine willkommene Abwechslung.

Wir kreuzten immmer wieder die Grenze des ersten und einzigen dänischen Nationalparks, dem ‘Thy Nationalpark’. Man fuhr auf sehr ruhigen Sträßchen an ein paar schönen Seen entlang. Die Zersiedelung mit Ferienhäuschen ist hier feststellbar wesentlich geringer als in manchen Gebieten an der Nordküste, die wir zuletzt gesehen hatten.

norssoe

Am Nors Sø

Aufgrund unserer eigenen Streckenführung kamen wir außer in Nors, wo außer einem Spar-Laden keinerlei Infrastruktur vorhanden war, erst in Nørre Vørupør wieder an Plätze mit gastronomischen Dienstleistungen. Passte aber ganz gut, da die sich stetig verdichtende Wolkendecke inzwischen undicht geworden war. Nach Hamburger, Fiskebrød und Kaffee war dann eben wieder Regenzeug-Zeit, da es noch zu früh am Tag war, um die Etappe zu beenden. So legten wir noch einmal knapp 30 km Richtung Süden drauf. Der Wind hatte inzwischen aufgefrischt aber schon seit einiger Zeit auf Osten gedreht und unterstützte uns oft. Obwohl der Regen immer stärker wurde, liefen diese km ganz gut. Als wir allerdings bei Agger den Kvik Vig Campingplatz erreichten, waren wir doch ganz froh, eine trockene Hütte mieten zu können. Wieder ein sehr nettes Häuschen!

Schotter und Wind

22.08.2010

Lønstrup – Løkken – Blokhus – Klim Strand

89 km

Ein hartes Stück Arbeit. Entweder wir mussten gegen den Wind arbeiten oder schlechte Wege behinderten das flüssige Fortkommen. Wahlweise beides…

Die Nacht war leider nicht so ruhig gewesen, wie man das von einem ruhigen Naturlagerplatz erwartet hätte. Um Mitternacht beschlossen einige Jugendliche wohl aus dem Nachbarort, dass man an der Feuerstelle prima eine kleine Party feiern könnte. Sie waren zwar im Grunde friedlich, aber bis um 4:00 Uhr war nichts mit ruhiger Nacht.Danach verschwanden sie wieder, zum glück ohne uns weitergehend zu belästigen. Richtig gemütlich war die Situation jedenfalls nicht.

Nach dem Aufstehen fuhren wir zunächst die 8 km nach Lønstrup, um dort nach einer Frühstücksmöglichkeit zu suchen. Diese ersten 8 km beschäftigten uns auch schon überdurchschnittlich lange, schon so früh passte das Motto des Tages. In einem netten Hotel bekamen wir ein gutes Frühstücksbuffet. Komischerweise war außer uns kein Mensch da – die Hotelbesitzerin klärte uns nachher auf, dass eine Gruppe radelnder Norweger das ganze Hotel gemietet hatte und sie schon aufgebrochen wären.

Wenige km Fahrt führten uns zum Highlight des Tages: dem Rubjerg Knude. Die Küste vor Lønstrup ist eine sandige Steilküste, von der immer mehr abbröckelt, darauf ordentlich Sand, der laut Wikipedia die höchste Wanderdüne Europas bildet. Das wurde einem Leuchtturm dort zum Verhängnis: zunächst wurde er immer mehr vom Sand eingedeckt, inzwischen ist die Düne allerdings vorbei gewadert und er steht wieder frei. Allerdings zerfällt er in dem Maße, wie die Küste abbröckelt, irgendwann wird er einstürzen.

rubjergknude

Der alte Leuchtturm am Rubjerg Knude - inmitten von einem Sandmeer

Es war auf jeden Fall ein großer Spaß, auf diesem riesigen Sandhaufen barfuß umher zu laufen. Oben blies es mächtig Sand durch die Luft und der Sandstrahleffekt war fast noch größer wie am Tag zuvor. Die Flanken sind so steil, dass man förmlich ‘abfahren’ kann.

Von Løkken bis Blokhus führt die Route direkt auf dem Sandstrand entlang. Eigentlich extrem schön. Der Sand ist hier richtig fest gefahren, auf dem ersten Stück fahren auch noch Autos frei herum. Allerdings war der Wind so störend und der Untergrund eben doch noch kraftraubend, dass wir mit kaum 10 km/h vorwärts krochen. Als dann der Sand auch noch etwas flutschiger wurde, zog ich die etwas langweilige Straßenvariante vor und wir kehrten um.

In Blokhus, dem nächsten ‘größeren’ Ort, fanden wir uns inmitten eines Riesenrummels wieder. Offensichtlich war hier gerade eine Marathonveranstaltung und der ganze Ort voll mit Menschen und Autos. Etwas befremdlich, wenn man gerade lange einsam hinter den Dünen gefahren war.

Die Küste macht in dieser Gegend einen langsamen Schwenk von nördlichem auf westlichen Verlauf. So schwenkte auch unsere Richtung immer öfter und länger gegen Westen, dann direkt gegen den Wind. Also kleinen Gang einlegen und vor sich hin treten. Waldstücke brachten ab und zu etwas Erholung. Allerdings sind diese oft auf Schotterwegen, die normalerweise gut zu fahren sind. Heute waren aber einige Kilometer dabei, die das Prädikat ‘bisher schlechtester Weg’ vermutlich noch eine Weile behalten werden. Positiv denkend konnte man feststellen, dass die Wegequalität etwas vom Gegenwind ablenkte…

Wir fuhren bis Klim Strand, dort ist ein extrem gut ausgestatteter Campingplatz und leisteten uns für eine Nacht eine Edelhütte. Ein putziges weißes Häuschen in erster Reihe hinter den Dünen, mit Reetdach und alles drin, was man so braucht. Sogar ein Fernseher mit dem Tatort!

hytte

Wunderhübsche Häuschen haben die am Klim Strand Camping - und das in erster Reihe direkt hinter der Düne!

Sandland

21.08.2010

Sæby – Frederikshavn – Hirtshals – ca. 8 km vor Lønstrup

101 km

Nein, wir sind doch nicht nach Skagen gefahren. Der ganze Verkehr, der ans dänische ‘Nordkap’ rollte, hat uns davor bewahrt.

Ein Tag der Wetterextreme: Regen, kräftiger Wind und nachmittags sehr sonnig. Morgens ging es erst einmal nordwärts, immer an einer vielbefahrenen Straße entlang, die kurz vor Frederikshavn zur Autobahn mutierte. Gegenüber der Autobahn vor Göteborg allerdings ein lauschiges Sträßchen. Das Wetter höchst unfreundlich: der Himmel dunkelgrau und immer kurz vor dem Auslaufen. Den Wind hatten wir immer noch im Rücken, was die hässliche Straßenetappe wenigstens beschleunigte.

In Frederikshavn war man dann schnell drin, und nach einem Blick auf die großen Pötte im Hafen schnell wieder draußen. Das Wetter lud nicht zu einer größeren Besichtigung ein. Danach standen weitere 15 km an der gleichen stark befahrenen Straße zuvor, den Autbahnstatus hatte sie allerdings verloren.

Um die unschöne Strecke noch zu verschönern, fing es irgendwann an, kräftig zu regnen. Regenzeug an, und weiter. Zum Glück mussten wir nicht weit, in Jerup lud eine Bageri zu Kaffee und süßem Gebäck ein. Bis die megakalorienreiche Schoko-Pudding-Schnecke zum Kaffee vertilgt war, hatte es zum Glück auch schon wieder aufgehört.

Weiter ging es Richtung Skagen. Dieses Etappenziel hätte einen Abstecher bedeutet: 15 hin und auf der selben Strecke wieder zurück. Wir sparten uns das und bogen am Verbindungspunkt der Ostküstenroute mit der Westküstenroute ab. Nur kurz danach kam man ganz in die Nähe von Råbjerg Mile, einer beeindruckend großen Wanderdüne. Hier pausierten wir und erkundeten den Sandberg zu Fuß – sehr beeindruckend! Der Sand ist zum Teil ganz hart, und wenn man im Wind steht, werden die unbekleideten Radlerbeine förmlich gesandstrahlt. Auf diese Art und Weise wird nach und nach die ganze Düne nach Osten geblasen, man rechnet damit, dass sie im Jahr 2230 den Kattegat erreicht.

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Wandernder Sand schwappt über das Land

Jetzt ging die Route nach Westen weiter und die Strecke wurde sehr schön. Man fuhr oft direkt hinter den Dünen, oft im Wald, der als Schutz vor dem sandigen Wind gepflanzt wird. Lange Strecken sind autofrei, auf Schotterwegen zwar, aber im allgemeinen gut zu fahren. Wir hatten heute nur sehr viele Pfützen und Radler und Equipment waren nach kurzer Zeit erheblich verschlammt. Der Wald machte auch den kräftigen Westwind sehr erträglich, den hatten wir nämlich jetzt direkt von vorne.

In Hirtshals, an der ‘Ecke’, gab es noch mal eine Kaffeepause mit Pfannkuchen, Softeis und Erdbeermarmelade. So süße Sachen können sie gut, die Dänen! Jetzt ging es wieder südwärts weiter. Wir deckten uns in einem Lädelchen am Strand mit Proviant fürs Abendessen ein, weil wir herausgefunden hatten, dass kurz vorLønstrup ein ‘Naturzeltplatz’ sein sollte. Da in Dänemark wild zelten nicht erlaubt ist, gibt es hin und wieder dafür solche Plätze, mit Plumpsklo, Feuerstelle, Windschutzhütten und manchmal sogar Wasser, wie in unserem Fall. Trotzdem hat man hier ein wenig 3G und ich konnte den Tag bloggen!

biwak

Naturlagerplatz mit Biwakhüttchen kurz vor Lønstrup

Modelleisenbahn

20.08.2010

Hadsund – Hals – Sæby

102 km

Schon wieder ein Hunderter, und der schon weit vor 17:00 Uhr beendet. Heute rollte es aber auch außerordentlich gut, hier im Norden wird es wirklich flach. Und der Wind war zwar erheblich schüchterner als gestern, die Richtung hatte er jedoch beibehalten und die Routenrichtung passte heute wunderbar dazu.

Von Frau Hürlimann, der Jugendherbergs’mutter’, bekamen wir heute morgen ein schönes Frühstück serviert. Der Tisch war besonders schön gedeckt, normalerweise muss man sich seine Utensilien selbst zusammen suchen. Bei der Abfahrt plauderten wir wieder eine ganze Weile, eine wirklich nette Begegnung.

Dann ging es auf den ehemaligen Bahndamm. Auch hier mal wieder eine Bahnstrecke, die auf über 20 km für autofreies Radelvergnügen sorgt. Außer ein paar wenigen Straßenquerungen bekam man von Autos gar nichts mit. Überall ziemlich guter Asphalt, das einzige, was ein wenig störend war, waren ‘Drumrumfädelgatter’, auch hier in Dänemark manchmal lästig eng.

Die Landschaft wie gestern. Zusammen mit der Bahndammatmosphäre hatte man das Gefühl, durch eine nahezu perfekte Modelleisenbahnanlage, eben im großen Maßstab zu fahren. Bauernhöfe, Äcker, Weiden mit ordentlich verteilten Kühen, ab und zu ein Stückchen Wald, genau so, wie man das im Spielzimmer zu Hause nachbauen würde. Viele Obstbäume standen am Wegesrand, und ein übervoll mit reifen Früchten hängender Mirabellenbaum ließ uns nicht weiter, bevor nicht in wenigen Minuten ein gutes Pfund davon mitgenommen war.

bahnstrecke

Auf einer ehemaligen Bahnstrecke - oft fuhr man wie durch einen grünen Tunnel

Die Bahnstrecke führt am Rande des Naturreservats Lille Vildmose entlang. Wären wir der Original-Radroute, der Nr. 5, komplett gefolgt, wären wir sogar noch ein wenig durch das Reservat durchgefahren, allerdings auf vielen Kilometern Schotterstrecke. Man kann aber auch auf dem Bahndamm bleiben und später Richtung Meer abbiegen, was sich deutlich leichter radelt. Einen guten Eindruck bekommt man im Besucherzentrum – und einen Kaffee mit frisch gebackenen Brötchen, serviert von sehr netten, gut gelaunten Besucherzentrums-Angestellten.

Nach diesem Teil der Etappe waren die Höhepunkte ziemlich ausgereizt. Das Land wird sehr flach und man fuhr lang an einer größeren Straße entlang, allerdings immer auf dem Fahrradweg. Das Wetter ließ auch nach, hatten wir zuerst noch richtig Sonne gehabt, zog es immer mehr zu, schade. In Hals, was wir nach kurzer Fährüberfahrt erreichten, hielten wir uns nicht auf, waren wir doch seit der Pause nicht wirklich lange unterwegs gewesen. Die nächste Rast fand in Aså statt, wo allerdings kein so wirklich schönes Café war. Eine Kneipe mit Namen ‘Dart & Cafe’ wurde es dann, und immerhin gab es einen kleinen Sandwich. Wir saßen draußen, drin wurde geraucht, konnten das aber nicht wirklich genießen, da es bald anfing zu regnen.

halsfaehre

An der Fähre über den Langerak nach Hals. Leider war der Himmel schon wieder dick grau.

Dann noch mal die restlichen gut 20 km bis Sæby abgerollt, auch diese ohne wirkliche Highlights. In Sæby gab es wieder eine Jugendherberge, und da das Wetter inzwischen alles andere als vertrauenswürdig war, haben wir wieder auf die Option ‘schöner Campingplatz am Meer’ verzichtet. Jetzt sind wir hier in einem 60er-Jahre-Klinkerbau, im selben Gebäude ist die Sporthalle.Das Zimmer verbreitet ein wenig die Atmosphäre einer Umkleidekabine, aber soweit ist die Unterkunft ganz ok.

Südwest

19.08.2010

Grenå – Bønnerup Strand- Udbyhøj – Hadsund

100 km

Hier geht echt die Post ab: obwohl wir uns heute morgen richtig Zeit ließen hatten wir die 100 schon kurz nach 17:00 Uhr voll. Und das trotz ernsthaften Gegenwinds, zumindest auf den nach Westen gehenden Passagen, und derer gab es viele!

Spät in der Nacht rollten wir auf dänischen Boden. Um kurz nach Mitternacht entließ nach nerviger Warterei uns die Fähre zusammen mit gefühlt hunderten von LKWs aus ihrem dicken Bauch. Ein Hotelzimmer war ja telefonisch organisiert und das fanden wir dank GPS auch ganz schnell. Selbst die personenlose Schlüsselübergabe funktionierte auf Anhieb und so kamen wir knapp vor 1:00 in einem schönen Zimmerchen zu wohlverdienter Nachtruhe.

Morgens ließen wir uns dann etwas mehr Zeit als sonst. Ohne Hektik rollten wir um kurz vor 10 vom Platz. Sofort war klar, was den Tag am stärksten beeinflussen würde. Schon die ganze Nacht hatte er, ohne müde zu werden, ums Hotel geheult: ein ziemlich deutlicher Wind aus Südwest.

Die Hauptrichtung der nächsten Tage ist zwar Norden, allerdings streckt Dänemark bei Grenå ziemlich die Nase nach Osten vor, das heißt, wir hatten heute einige Passagen, die genau nach Westen gerichtet waren. Und da war heute oft richtig Schluss mit lustig. So einen Wind hätte ich ja eher auf den schottischen Inseln erwartet, wo er quasi ausgefallen war. Hier scheint er sich dran zu erinnern und etwas nachholen zu müssen.

Die Strecke führte über sanfte Wellen, von Landwirtschaft geprägt. Alle bäuerlichen Tiere, die man so kennt, waren heute am Wegesrand immer mal wieder zu sehen, außer den Schweinen, die man nicht sieht, aber oft ziemlich deutlich riechen kann. Das Land ist wieder komplett anders als das, das wir gestern verlassen haben: leicht geschwungene Felder, Wiesen, Wälder. Immer wieder hat man von einer kleinen Anhöhe aus einen Blick auf die hier scheinbar unendliche Wasserfläche. Die Küste geprägt von Salzwiesen und Schlick. Felsen wie in Schweden oder gar in Norwegen sieht man hier gar keine mehr.

Die Häuser oft eingeschossig, viele mit Reetdach. Manche sehr hübsche Fachwerkhäuschen mit schön blühenden Gärten drumherum. Immer mal wieder ein Schlösschen, das verträumt in zwischen den Hügeln liegt. Alles in allem einfach sehr nett.

hus

Oft einfach nett hier!

Erstaunlicherweise kamen wir trotz des manchmal gemeinen Gegenwinds trotzdem sehr gut voran. Zum einen war immer mal wieder ein Stück Wald, wo man die Ruhe ein Stückchen sehr genoss, bevor einem der Wind wieder die Ohren voll heulte. Zum anderen ist die Streckenführung so abwechslungreich, dass man nie viele Kilometer bis zum nächsten Richtungswechsel hat.

In Bønnerup Strand war unsere erste Pause des Tages. Ein Ferienort, in dem allerdings inzwischen – hier ist absolute Nachsaison – ziemlich der Hund begraben ist. Wir bekamen trotzdem einen Kaffee und probierten eine dänische frischgebackene Waffel mit Softeis: eine absolute Energiebombe, sehr süß. Den in der Hosentasche gefundenen Hotelzimmerschlüssel konnten wir dort mit Hilfe der Dame des Dorfladens in einen Briefumschlag stecken und zurück schicken, dieses Mal war es zum Glück nicht mir passiert (was hätte ich mir anhören müssen ;-).

Eine Fähreüberfahrt stand heute auf dem Programm. Dort hofften wir auf entsprechend Gastronomie und einen Imbiss mit frischem Fisch. Leider gab es nur einen wenn auch sehr schön gelegenen Take-Away am Gästehafen und sonst gar nichts, deswegen wurde es ein Fischburger zum obligatorischen Kaffee.

udbyhoj

Die einzige Fähre heute - etwas kleiner als die letzte

Das Etappenziel war Hadsund. Eigentlich wollten wir ja einen schönen Campingplatz am Meer, aber in Hadsund waren die 100 wieder mal voll und eine kombinierte Campingplatz-Jugendherberge. Da ließen wir das Zelt wieder mal in den Taschen und checkten in die Jugendherberge ein. Die ‘Landlady’ ist eine sehr nette Schweizerin, die seit 16 Jahren hier lebt. Sie gab uns ein extra schönes Zimmer mit noch ein wenig Abendsonne und einige Tipps für die morgige Radroute mit auf den Weg. Auch das wieder ein gutes Plätzchen!