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Und plötzlich ist man angekommen

31.08.2010

Meldorf – Brunsbüttel – Wedel – Hamburg

125 km

Eine Etappe wie jede andere, mochte man meinen. Aber die letzte, in Hamburg schloss sich der Kreis und die Runde war beendet. Was momentan nur der Verstand kapiert, der Rest ist auf Radeln eingestellt…

Das Wetter begrüßte uns ungefähr so, wie es uns am Vorabend verabschiedet hatte: nass. Aber da steht man inzwischen drüber, zieht das Regenzeug an und los ging es Richtung Elbe. Zunächst durch nettes Bauernhinterland. Die Routenführung wieder mal ein bisschen zickzack, da direkt nach Brunsbüttel nur eine stark befahrene Straße führt. Schade, dass man als Radfahrer oft wie der Hase Haken schlagen muss vor dem Autorverkehr.

An einer Kuhweide ein Erlebnis der besonderen Art: eine Herde offensichtlich halbwüchsiger Kälber fand wohl die Abwechslung durch Radler ganz animierend. Zuerst rannte einzelne, dann immer mehr und plötzlich galoppierte die ganze Herde das Stück, dass die Länge der Weide zuließ, mit uns mit. Am Ende der Weide blieben wir kurz stehen und beäugten uns gegenseitig, bevor die Herde noch eine Runde rannte und wir weiter fuhren.

Hier im Hinterland gab es tatsächlich mal wieder so etwas wie kleinere Bergwertungen, kaum zu glauben. Beim Bergaufradeln wundert man sich, dass es trotz fehlenden Windes ab und zu relativ schwer zu treten geht, bis es dann mal wieder ein bisschen länger als nur vom Deich den Berg hinunterrollt.

So erreichten wir Brunsbüttel, wobei wir gleich zur Fähre über der Nord-Ostsee-Kanal abbogen und nicht in die Innenstadt fuhren. Es regnete sowieso gerade, als hätte es etwas nachzuholen (was eigentlich?), und da macht Stadtbesichtigung auch keinen Spaß. Einen Kilometer vor der Fähre führt die Route in parkähnlicher Situation an einem Fleth entlang. Sehr schön, aber leider nicht asphaltiert und bei diesem Wetter heftig überflutet. Wir mussten immer wieder durch bis zu 10 cm hohe Wasserlachen pflügen, das kann man vielleicht auch besser planen?

Danach war Elbe und Radeln auf dem Deichweg angesagt. Zuerst auf der Flussseite, gegen später meistens auf der Außenseite. Kilometerlang durch feuchte Schafshinterlassenschaften – wir sahen bald aus, als hätten wir darin gebadet, inklusive unserer Geräte samt Gepäck.

sheeppoo

Mit Schafshinterlassenschaften paniert

Der Abstecher nach Elmshorn, den die Route macht, rationalisierten wir weg. Es hätte mindestens 10 km heftigen Gegenwind bedeutet, und am Deich hatten wir ziemlich Rückenwind. So war unsere erste ernsthafte Berührung mit der Zivilisation erst wieder in Wedel, wo wir an der Schiffsbegrüßungsanlage pausierten. Ich nahm die Begrüßung eines Schiffs, was herein kam, auch für mich gerne an, ist man hier doch fast schon in Hamburg, das erste Ortsschild steht gleich am Ortsausgang Wedel.

Dann also die letzten Kilometer in die Stadt hinein. Ich konnte es noch etwas auskosten: An Teufelsbrück mussten wir eine Weile warten, bis Stefans Schwester uns dort empfing und uns den Schlüssel zu ihrer Wohnung gab. Man kann dort wunderbar auf einer Bank sitzen und das geschäftige Treiben auf der Elbe beobachten, es wurde uns nicht langweilig.

Aber auch die letzten ca. 5 km waren irgendwann weg geradelt. Auf der Kaistraße, die von der Elbe weg zur Max-Brauer-Allee führt, schloss sich der Kreis wirklich: Hier war ich am 27. Juni hinunter gerollt und musste jetzt diesen lästigen Berg wieder hinauf. Auch nach gut 9 Wochen Radeln ächzt man bei einer solche Bergwertung nach über 120 km bisheriger Tagesetappe zumindest leise…#

ende

Am Endpunkt = Anfangspunkt der Tour, schön war's

9 Comments leave one →
  1. scrooge permalink
    2.09.2010 14:45

    Ach ja, was macht Badger jetzt eigentlich?🙂

  2. 2.09.2010 11:54

    Respekt, Dagmar. Grandiose Leistung. Ich zieh den Helm.🙂

  3. 2.09.2010 08:22

    Hallo Dagmar, so, wo kann ich mich jetzt beschweren, weil ich statt zu arbeiten nun auf der Seite stöbere? ;-))

    Respekt vor Deiner Leistung und herzliche Grüße,
    Alexandra

  4. scrooge permalink
    1.09.2010 13:01

    Herzlichen Glückwunsch! Und vielen Dank für die detaillierten, informativen und spannenden Berichte – ich habe sie mit viel Vergnügen gelesen.

    Eine Frage noch: Wie lange im Voraus hast du eigentlich den Flug ven den Shetlands nach Bergen gebucht? Mein Mann und ich möchten uns nämlich nächstes Jahr ebenfalls in dieses Abenteuer stürzen, und dieses Detail liegt uns (neben den Bergwertungen Norwegens) noch etwas im Magen.

    Groetjes aus den Niederlanden!

  5. 1.09.2010 08:14

    Und jetzt mal hier an alle: erst mal danke für die Überschüttung mit Glückwünschen… Und das geht aber in etwa zurück: mit Euch allen hat die Unternehmung hier noch mal so viel Spaß gemacht, schön, dass ich das immer teilen konnte!
    Eure Nordlandradlerin

  6. Die andere Ute permalink
    1.09.2010 06:39

    Und noch was fällt mir ein: Vielen Dank fürs Teilhaben lassen an deiner Tour! Es hat mir viel Spaß gemacht!
    Und lachen musste ich über dein schönes gelbes versch… Fahrrad, auf dass dir der letzte Tag auch diesbezüglich in Erinnerung bleibt!

  7. 1.09.2010 05:51

    Hi Dagmar,

    You have done a fantastic acheivement. Well done. You have cycled a very long and hard journey, often with more challenging weather. It is now a good memory that you will never forget. Well done again. Graham

  8. Die andere Ute permalink
    31.08.2010 18:49

    Ich schließe mich meinem Vorredner an!
    Wie gut, dass du damals das mit dem Platz gesagt hast…

  9. Dirk Cl permalink
    31.08.2010 16:52

    Hi Dagmar,

    ich gratuliere Dir zu dieser phantastischen Tour – Respekt.
    Damit hast Du Dir bestimmt einen Traum erfüllt.

    Träume nicht Dein Leben – sondern lebe Deinen Traum.

    In diesem Simme kommt gut wieder zurück in die Heimat und lasst die vielen schönen Eindrücke und Erlebnisse auf Euch wirken.

    Hast Du einmal darüber nachgedacht, über diese Reise ein Buch zu schreiben, oder einen Vortrag zu halten.

    Bis bald wieder im Süden,

    Gruß Dirk

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