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Strand der Liebe

13.08.2010

Noch ein Ruhetag auf Nøtterøy

Da die Wetteraussichten schlecht wie selten zuvor waren und ich den Aufenthalt hier bisher ziemlich genoss, fragte ich meine Gastgeber, ob sie es noch einen Tag mit mir aushalten würden. Sie bestätigten das aufs kräftigste.

Hatten wir am Abend noch richtig wie im Sommer barfuß draußen gesessen, brach in der Nacht eine wahre Sintflut über Westnorwegen herein. Wieder einmal war ich froh, nicht in meinem Zelt zu liegen, wo so heftiger Regen erstens Lärm macht ohne Ende und zweitens fürchtet man ja doch latent ständig den Wassereinbruch in den Wohnbereich.

Morgens konnte man das nasse Schauspiel dann bei Tageslicht noch ein Weilchen weiter beobachten – ich ließ diesen Tag ganz langsam angehen. Auf dem Plan standen außer einigen organisatorischen Dingen für die Weiterreise zum einen der Besuch der Edvard-Munch-Ausstellung im ‘Vestfold Kunstmuseum’ und zum anderen das Bekochen der Familie mit schwäbischen Kässpätzle. Also ein komplett der Kultur gewidmeter Tag.

Von Edvard Munch kannte ich bisher nur ‘Der Schrei’, was wohl jeder kennt. Die ausgestellten Gemälde stammten aus einer Zeit, in der er in Åsgårdstrand – das ist eine kleine Stadt ganz in der Nähe von Tønsberg – im Sommer in das Haus seiner Eltern kam. Der arme muss es nicht einfach gehabt haben mit den Frauen, fast alle Bilder haben die Liebe zum Thema, deswegen auch der Titel der Ausstellung: ‘Kjærlighetens strand’, was ‘Strand der Liebe’ bedeutet. Und offensichtlich war er oft sehr verliebt und fürchtete sich gleichzeitig vor den Frauen, auf allen Darstellungen waren mehrere Frauengestalten dargestellt, oft eine unschuldige Lichtgestalt in reinweiß, eine Gestalt mit wenig an und eine ganz dunkle Chimäre noch neben dran. Er selbst malte sich oft mit auf das Bild, immer in düsteren Farben und sehr ungesunder Gesichtsfarbe. Also offenbar ein extrem belastetes Liebesleben im Gegensatz zum dem des netten norwegischen Familienvorbilds, was ich hier gerade habe. Und im Gegensatz dazu immer die wunderbare Strandatmosphäre mit wunderschön eingefangenem Licht.

kvinnen

'Kvinnen' - Vielschichtig, diese Frauen!

Es war wirklich sehr interessant, diese farbenreichen, großformatigen Werke von ihm anzusehen und dieses innere Zerrissenheit aus den Bildern herauszulesen. Auch die Farbgebung ist auf allen Bildern sehr stark und symbolträchtig. Hat sich sehr gelohnt!

Dann wieder ein paar Zutaten eingekauft und ‘nach Hause’ geradelt, um das Familienmahl vorzubereiten. Schwäbische Kässpätzle hatte ich geplant, was natürlich nicht ganz einfach ist. Die mechanische Seite dieses Gerichts war allerdings das geringste Problem. Da Achim gebürtiger Schwabe ist, findet sich in diesem Haushalt natürlich ein Spätzleshobel. Mit den Zutaten gestaltete sich die Aufgabe schon schwieriger: Zum einen kennt der Norweger weder die ‘Nudelsorte’ Spätzle an sich noch dazu optimal geeignetes Spätzlesmehl, zum anderen ist die Auswahl an Käse stark auf eine sehr milde Geschmacksrichtung normiert. Nun ja, ich habe genommen, was ich bekommen hatte, Achim hatte auch noch ein Paket Allgäuer Emmentaler aus einem dänischen Lidl und das Resultat war ziemlich gut. Die Kinder waren begeistert und es blieb kein Fitzelchen übrig.

Als Digestif gab es einen homemade Kirschwein vom norwegischen ‘morfar’, also dem Opa – sehr lecker. Und jetzt klingt der Abend langsam aus. Morgen geht die Reise wieder weiter, ich habe mich für die Wellness-Variante mit der Fähre Sandefjord – Strömstad entschieden, alles andere wäre sofort wieder in Stress ausgeartet. Das sind 30 km bis nach Sandefjord, und in Strömstad komme ich sofort dort an, wo ich hin möchte.

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