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Serpentinen

7.08.2010

Sokndal – Flekkefjord – Kvinesdal

68 km

Puha. Das sieht ja nach gemütlicher Nachmittagsetappe aus. Aber meine Durchnittsgeschwindigkeit kam heute nur knapp an die 11 km/h, dafür habe ich heute 1250 Höhenmeter Aufstieg eingesammelt – eine richtiggehende Passetappe war das! Und hat mich definitiv einen ganzen ‘Arbeitstag’ beschäftigt.

Ziemlich früh kam ich heute aus den Puschen, allerdings musste ich Zelt und sonstiges ziemlich nass einpacken. Wieder einmal hatte es heute nacht geregnet und an dem Fluss, an dem der Campingplatz lag, kam noch ordentlich sonstige Feuchte dazu. So war das Zelt gleichmäßig innen und außen nass, und weder Sonne noch Wind verfügbar.

Bis Flekkefjord verlief die Route wieder auf der Landstraße 44, die heute wegen des Wochenendes noch ruhiger war. Nach wenigen Kilometern warm rollen ging es denn allerdings gleich zur Sache: relativ bald fand ich mich 180 m höher, nur um danach wieder an einen Fjord auf Meereshöhe hinunterzustürzen. Im wahrsten Sinne des Wortes, waren Anstiege und Gefälle doch alle ziemlich bis sehr steil.

Am ersten Fjord konnte man die ‘Helleren’ besichtigen: 2 Häuschen, original erhalten aus dem 19. Jahrhundert, die unter einen Felsvorsprung gebaut wurden. Der Felsen ragt so weit über die Häuser hinaus, dass diese nicht mal ein richtig gedecktes Dach besitzen, der Felsen schützt vor allen Unwettern. Man konnte sogar in die Häuschen hinein, und sich vorstellen, wie karg das Leben damals noch gewesen sein muss, als Norwegen noch nicht im Wohlstand der Ölmilliarden lebte.

helleren

Häuschen unterm Felsvorsprung

Dann die nächste ‘Rippe’. Diese zog einen auf 275 m hinauf, dort oben stand sogar ein Schild. Ich vermute, dass das der höchste Punkt auf der norwegischen Route ist, ansonsten ist man hier mit Schildern, die man ja gerne für heldenhafte Fotos hernimmt, sparsam.

schild

Endlich mal ein Schild für ein Heldenfoto!

Wunderbarerweise gab es um 11:00 am nächsten Fjördchen in einem winzigen Ort einen Laden mit Kaffee und Bänkchen. Das wurde sofort honoriert und genutzt.

Dann die nächste Rippe, etwas weniger steil. Um 13:00 waren auf diese Weise ca. 40 km rum und ich war in Flekkefjord angekommen. Trotz aller Anstrengung aber ein gigantisch schöner Abschnitt bis Flekkefjord, man durchquert ein richtiges kleinees Gebirgsmassiv und fährt zwischen riesig anmutenden Felsen dahin.

Flekkefjord war wieder ein ganz netter Ort, mit der ‘Kaffebørsen’ direkt am Wasser, wo ich in Gesellschaft zweier deutscher Motorradfahrer die körperinternen Energievorräte wieder aufstockte.

Dann stand ein Stück E39 auf dem Programm – bzw. die Vermeidung derselben. Dort war natürlich relativ viel Verkehr, wenn auch heute die LKWs fast nicht vorkamen. Aus Flekkefjord heraus war zunächst ein schöner Fahrradweg an der Seite, der sich allerdings relativ bald wieder in einen krümeligen und extrem steilen Auf- und -Ab-Schotterweg verwandelte. So steil, dass zumindest ich weder bergauf noch bergab fahren konnte und das meiste dieser Passage über die norwegischen Fahrradroutenplaner laut fluchend schob. Irgendwann war man dort auch wieder auf knapp 200 hm und musste oder durfte auf die gut ausgebaute, breite Straße.

Auf der Karte hatte ich schon zuvor einen sehr strecken-ungünstigen Abstecher zur Vermeidung der Europastraße gesehen und mich schon gefragt, ob man sich den eventuell schenken kann und die wenigen km auf letzterer bleiben kann, wo man sowieso ein Stück darauf fahren muss. Allerdings stellte ich einige Kilometer später und vor allem drei Tunnels weiter fest, dass ich den Abzweig wohl sowieso verpasst hatte und die recht adrenalinträchtig sich wie Autobahn anfühlenden Tunnels genommen hatte  – Gott sei dank alles rasant bergab. Die nächste Abfahrt führte mich aber wieder in einen Ort und auf die Route.

Die E39 führt hier einfach kurz mal über den Fjord drüber, der arme Radfahrer muss zwei mal ca. 15 km Umweg in Kauf nehmen, Fjord hin und auf der anderen Seite wieder zurück. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass hier noch einmal eine hohe Rippe im Weg stand. Irgendwann kamen zwei unbepackte Mountainbiker von hinten angerollt, der eine schob mich sogar ein Stückchen, wie nett! Wir plauderten noch ein wenig, und dann zogen sie an mir vorbei. Sie erzählten noch was von einigen Kilometern flach nach Kvinesdal, was ich nicht wirklich glaubte. Aber tatsächlich, nachdem ich einige Serpentinen wieder steil nach unten geschossen war, breitete sich das Fjordtal sogar einigermaßen breit vor mir aus und die letzten ca. 6 km rollten dann ganz gut. Immerhin!

In Kvinesdal – es war inzwischen nach fünf Uhr, war ich etwas ratlos, was bezüglich Übernachtung zu tun war. Meine Informationen zu Campingplätzen waren wiedersprüchlich und vor allem mit weiteren 15 – 20 Kilometern verbunden gewesen. Aber es gab ein Gjestehus, was zwar teuer bedeutet, aber ab und zu kann man sich ja etwas gönnen. Außerdem hatte ich eigentlich auch genug und nicht wirklich Lust, in meinem patschnassen Zeltgerödel zu übernachten. Obendrein gab es keine Sonne, die das ganze getrocknet hätte und es sah wieder sehr nach Regen aus. Also ging ich mal zu dem Gjestehus hin und fragte wegen Übernachtung.

Ich muss ziemlich bemitleidenswert bzw. hilfbedürftig ausgesehen haben: eigentlich war das Haus voll, aber ich merkte, dass mich der Hausherr nicht einfach wegschicken mochte, gab es doch im weiten Umkreis keine sonstige Übernachtungsmöglichkeit. Stirnrunzelnd schien er hin und her zu überlegen, bis er mir bedeutete, zu folgen und mir seinen Partykeller zeigte – ob ich dort mit Isomatte und Schlafsack bleiben mochte. Er nannte mir einen einigermaßen angemessenen Preis, und ich schlug ein. Schön Platz zum Ausbreiten und Trocknen meines ganzen Zeugs ist auf jeden Fall, und es gibt einen TV-Raum mit kostenlosem WLAN und morgen vermutlich ein sehr gutes Frühstück! Das ist nach dem Zelten im Schatten des Panzers wohl die zweit-originellste Übernachtungsstätte.

bar

Viel Platz im Partykeller des 'Kvinesdal Gjestehus'

2 Comments leave one →
  1. Die andere Ute permalink
    9.08.2010 20:17

    Hallo,
    jetzt auch mal Dank von mir für deinen Bericht. Macht echt Spaß!
    Bist du bei Helleren auch durch europas größtes “Steinur” gekommen?

  2. 7.08.2010 20:13

    Wieder wunderbare Fotos. Fantastisch, was Du so erlebst.
    Und so unglaublich nette Begegnungen… Sie sind so kostbar. Danke fürs Teilhaben lassen.

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