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Infrastruktur

5.08.2010

Stavanger – Brusand

89 km

Der Blick aus dem Fenster des Krankenhauscafés, wo ein hervorragendes Frühstücksbuffet sowohl Jugendherbergsgäste als auch junge Mütter versorgte, verhieß nichts gutes. Leichter Regen, so lautete auch die Vorhersage für den ganzen Tag. Nun ja, die letzten drei Tage waren ja hervorragend gewesen, da lässt man sich auch mal auf etwas schlechteres Wetter ein.

Den Gepäcktransport aus dem Haus vereinfachte ich mir, ohne dass das wahrscheinlich gestattet wäre: Rad aus der Tiefgarage in den Aufzug, vor das Zimmer gerollt, aufgeladen, wieder in den Aufzug und an der Rezeption vorbei nach draußen gerollt. Keiner beschwerte sich, und so leicht waren die Gepäcktaschen noch nie aus einer Übernachtungsstätte heraus gekommen.

Um aus Stavanger heraus zu kommen, verließ ich mich dieses Mal nicht auf die Beschilderung. In Stavanger gibt es eher zuviel davon, überall kleine Fahrradschilder, die in alle möglichen Richtungen weisen – auch verwirrend. Stattdessen folgte ich dem Track meiner holländischen Vorgänger. Diese Route führte schnell aus Stavanger heraus und ziemlich lange an einem See entlang – ganz schön, allerdings musste der Schotterweg einige Male steil über Felsblöcke geführt werden, wo ich fluchend schob.

Bald war jedoch wieder die Westküste erreicht und auch wieder die offizielle Beschilderung. Die Gegend war zwar immer gut besiedelt, aber irgendwann gab es außer Bauernhöfen und Häusern nichts mehr. Irgendwo mal einen Vormittagskaffee einnehmen? Fehlanzeige, wie schade.

Sehr flach ist diese Region hier, eigentlich unglaublich flach für norwegische Verhältnisse. Gerade mal ein wenig wellig zogen sich die Sträßchen immer ziemlich nah am Meer entlang. Wieder einmal vielfältige landwirtschaftliche Nutzung mit Meer-Hintergund.

flach

Flaches Land mit viel Landwirtschaft

Trotz der trüben Aussichten beim Frühstück waren ganze 30 km trocken verlaufen. Dann machte die dunkle Bewölkung aber ernst und zum Glück konnte ich mich in ein Bushäuschen flüchten, um die Regenrüstung anzulegen. Was sich heute definitiv lohnte, obwohl es immer mal wieder aufhörte und man wieder halbwegs trocken wurde.

Meine Strategie bei Regenwetter ist ja normalerweise: Regenklamotten an und dann alle ein bis zwei Stunden irgendwo unterschlüpfen, am besten wo es einen Kaffee gibt. Das war heute allerdings nicht ganz einfach.

Um 13:00 werde ich normalerweise hungrig und dann sucht man sich ein Plätzechen, packt die Vorräte aus und isst sich satt. Bei Regenwetter natürlich eher mit Service, irgendwo, wo man einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen bekommt. Heute war das allerdings extrem schwirig. Es war ja alles nass, also mochte man sich nicht wirklich irgendwo in die Wiese setzen. Also zumindest ein Bushäuschen oder irgendwas mit Dach. Ich fuhr über eine Stunde und fand  nicht mal ein Bushäuschen, geschweige denn es hätte irgendwo einen Kaffee gegeben. Das erste, was ich endlich lange nach 14:00 Uhr entdeckte, war ein überdachtes Gemüse-Verkaufs-Regal. Das habe ich dann als Sitzgelegenheit gerne genommen und meine Brötchen eben zwischen Gemüsekisten eingenommen.

Und bis zum Schluss sollte das so bleiben: heute wollte mir keiner einen Kaffee servieren. Zum Glück kam gegen Nachmittag die Sonne wieder heraus und ich fuhr die ganze Zeit unter einem ausreichend großen Loch blauem Himmel – nicht weit von mir türmten sich bedrohlich schwarze Wolken.

beach

Richtig weißen Sandstrand und Dünen gibt es hier.

Und so sah es immer noch aus, als ich meinen geplanten Campingplatz erreichte, der direkt in den Dünen am Strand liegt, mit einer schön windgeschützten Zeltwiese. Ich gab ordentlich Gas, um mein Zelt aufzubauen, aber noch nach Stunden schien die Sonne von der ‘unbewölkten’ Seite des Himmels. Jetzt sitze ich im TV-Raum des Campingplatzes (toller Service), habe mal wieder WLAN und nachdem lange der Regenbogen über dem Platz gestanden war, hat es jetzt doch noch recht kräftig angefangen zu regnen.

2 Comments leave one →
  1. 5.08.2010 19:57

    Ist es in Norwegen eigentlich immer noch so, dass man sich (meistens) seine Kaffeetasse selbst für umme nachfüllen darf? Gerade bei Regenpausen fand ich das immer sehr angenehm!

    • 5.08.2010 20:00

      Ich wäre überhaupt mal froh, einen zu kriegen – hier an der Strecke ist das schon die ganze Zeit extrem dünn ausgestattet. Aber in der Regel schon. Allerdings setzt sich hier immer mehr der frisch gebrühte auf Knopfdruck durch, und da bezahlt man für jeden.

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