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Shetlands

30.07.2010

Lerwick – Scousburgh – Sumburgh Head – Scousburgh

69 km

Ich kann mich ja wirklich nicht in immer noch größere Superlative über landschaftliche Hochgenüsse steigern, aber die Shetlands legen hier echt noch einen drauf. Die Anhöhen noch karger, die Küste noch zerklüfteter, noch weniger gewöhnliche Infrastruktur, die den landschaftlichen Gesamteindruck schmälert – und noch deutlichere Bergwertungen.

Für die Überfahrt hatte ich eine Koje in einer damenbelegten 4-Bett-Innenkabine. Trotz schnarchender Kabinenkollegin und doch immer wieder merklichen Seegangs hatte ich eine gute Nacht. Um 6:30 wurde ein allgemeiner Weckruf durch die Lautsprecher geschickt, worauf mich nichts mehr in der stockdunklen Kabine hielt und ich mir eines der letzten reichhaltigen schottischen Frühstücke gönnte. Nachdem die Fähre angelegt hatte, ließ ich mir Zeit, da es offiziell gestattet war, bis um 9:00 Uhr auf der Fähre zu sein. Verschiedene Aufrufe für die ‘vehicle driver’ schallten durch die Lautsprecher, aber mir wurde beim Check-In gestern noch klar gemacht, dass das Fahrrad ja schon ein vehicle sei, aber auf der Fähre  eben doch nicht. So geriet ich etwas in Stress, als mit einem letzten Aufruf ‘even cyclists’ angewiesen wurden, ihr Fahrzeug vom Deck zu räumen. Schnell Geraffel aus der Kabine geholt und nach unten gehetzt, wo auch schon bis auf Armins und mein Rad das komplette Fahrzeugdeck leer war. Mit einem leichten Grinsen rollten wir die Räder vom Boot.

Die Strecke von Lerwick nach Scousburgh ging ich geruhsam an. In Scousburgh hatte ich mir im Spiggie Hotel ein Zimmer reserviert. Also für heute keine Sparmaßnahmen angesagt, aber erstens wollte ich eine Unterkunft in der Nähe des Flughafens, und es gibt fast nichts, und zweitens wollte ich mir zum Abschluss von den UK ein bisschen was gönnen.

Man fuhr zunächst auf der Hauptstraße in Richtung Süden, die Route machte aber immer wieder Abstecher nach rechts und nach links in kleine Dörfer mit ein paar versprengten Häusern. Wie gewohnt auch hier ein stetes Auf und Ab von Meeresniveau auf aussichtsreiche Höhen nach recht langen, schweißtreibenden Aufstiegen. Ich musste allerdings sehr oft anhalten und viele schöne Ecken fotografieren. Leider kam trotz der eigentlich recht angenehmen Wetterbedingungen die Sonne recht selten zum Vorschein: trocken, und kaum Wind, und den noch im Rücken.

glitzert

Einer der seltenen Momente, wo ein bisschen die Sonne rauskam

Um die Mittagszeit erreichte ich mein Übernachtungsziel, wo ich vom Chef persönlich begrüßt wurde und praktischerweise mein Gerödel gleich ins Zimmer räumen durfte. Praktischerweise wird hier auch Mittags Essen serviert, so dass ich mich gleich stärken konnte. Danach brach ich ohne Gepäck auf, um bis ganz an die Südspitze zu radeln.

In wesentlich höheren Gängen förmlich über die Hügel fliegend machte ich zumindest diesen Südast der Route komplett. Außerdem wollte ich natürlich schon herausfinden, wo man genau hin muss am Flughafen. Dieser ist noch kleiner als Friedrichshafen, hat aber immerhin 2 Start- und Landebahnen, und über die eine verläuft sogar die Straße. Hier wird bei Start oder Landung einfach die Schranke zu gemacht, wie bei der Bahn.

Auf dem Weg gab es einen rekonstruierten alten Bauernhof zu besichtigen und mehrere prähistorische Stätten. Auch die Shetlands haben ein lange Besiedlungsgeschichte, fast so lang wie die Orkneys. Der Höhepunkt war allerdings am Head of Sumburgh völlig unerwartet. Ich spazierte den letzten Hügel zum Leuchtturm hinauf, der Blick die Klippen hinunter auf die Brandung ist gewaltig. Auf vielen Schildern wurde die Beobachtung vieler Vogelarten versprochen, unter anderem auch Papageientaucher. Da ich aber weder Fernglas noch sonstige Vorbereitungen für Exkursionen dieser Art getroffen hatte, dachte ich, dass ich da groß nichts sehen würde. Weit gefehlt – als ich mal die andere Seite betrachtete, die schon von einigen menschlichen Zuschauern in Beschlag genommen war – saßen da tatsächlich 2 der putzigen Vögel, der eine hatte sogar noch Junge dabei, die ab und zu aus dem Nest schauten. Und dazu noch in gefälliger Kameraentfernung.

puffin

Papageientaucher - hier 'Puffin' genannt - mit Jungem

Dann zurück ins Hotel, wo mich sehr nette Leute, eine exzellente Küche und ein gigantischer Ausblick auf die Spiggie Bay erwarteten. Lammkoteletts mit Gemüse und hausgemachten Chips an Rosmarinsößchen, im stilechten Dining Room läuft smoother Bar Jazz – wie gesagt, heute wird mal nicht nur gespart. Und es stimmt einfach rundrum alles!

2 Comments leave one →
  1. 30.07.2010 21:54

    Heftig. Der Flughafen. Über die Landebahn hinausschießen sollte man hier eher nicht🙂

    http://www.bing.com/maps/default.aspx?v=2&cp=59.8802888225251~-1.3008775026855517&lvl=16&sty=h

    Musste auf Bing ausweichen, bei Google verdecken Wolken alles *g*

    • 1.08.2010 20:24

      Cooler Link! Ich bin tatsächlich über die Landebahn (insg. 3x) geradelt, von der ich dann gestartet bin.

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