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Prähistorisch

29.07.2010

Kirkwall – Stenness – Kirkwall

48 km

Der heutige Tag war ja eigentlich der Abreisetag auf die Shetlands. Da die Fähre aber erst um 23:45 abfährt, war im Prinzip nochmals ein ganzer Tag zur Verfügung. Da ich gestern im Museum einiges über die zahlreichen prähistorischen Schätze hier gelernt hatte und gesehen hatte, dass man diese teilweise auch besichtigen kann, wollte ich auf jeden Fall dorthin fahren. Kurz vor Stromness gibt es eine regelrechte Anhäufung solcher Überreste: in Stenness gibt es das ‘Maes Howe Tomb’, die ‘Stenness Stones’ und den ‘Ring of Brodgar’ zu besichtigen, alles in bequem erreichbarer Distanz.

Mein Gepäck durfte ich im Gartenhäuschen des Hostels lassen. Nach komplizierter Umpack-Aktion (für so eine Tagestour braucht man aus allen Taschen ein bisschen was und für die Fährefahrt soll ja dann nicht mehr viel umzupacken sein) hatte ich Gepäck & Rad sorgfältig auseinander sortiert und startete.

Raue Bedingungen herrschten – ich zweifelte auf der ersten Hälfte oft, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, die Strecke mit dem Fahrrad und nicht mit dem Bus zu machen. War doch heute mal richtiger Wind – also so, wie man sich das von den Orkneys vorstellt. Und selbstverständlich kräftig von vorn. Die Temperaturen gerade mal zweistellig, durch den Wind gefühlt noch eher drunter. Und immer mal wieder die berühmten wasserhaltigen Schwaden-Vorhänge, die es durch die Luft weht, zum Glück eher selten. Aber da ich die Strecke ja genau so wieder zurückfahren wollte, biss ich die Zähne zusammen, freute mich über meinen wieder etwas steigenden Heldenfaktor und kroch in Richtung Tagesziel.

Die Strecke wie gewohnt mit kilometerlangen Anstiegen auf die Anhöhen der Insel mit wunderbaren Aussichten auf Küste und Lochs – da ich zunehmend von der Küste ins Innere vordrang. Wieder einmal staunte ich über den wenigen Verkehr – nur auf der direkten Verbindung von Kirkwall nach Stromness fahren so viele Autos, dass man von Verkehr sprechen könnte.

kueste

Immer wieder gigantische Ausblicke

Gerade als ein wasserhaltiger Vorhang ein wenig unangenehmer wurde, erreichte ich das Visitor Centre des ersten Sights. Ich hatte mich gerade vor dem Regen ins Trockene geflüchtet, da bog noch ein Radler um die Ecke, offensichtlich ein Deutscher. Ich quatschte ihn natürlich sofort an – und es stellte sich heraus, dass Armin gerade die gleich Runde wie ich macht, nur noch länger, er hatte sich hier und da noch einen Abstecher gegönnt und war von Nürnberg losgeradelt! Er war mindestens genau so überrascht wie ich, erzählten sie ihm doch in den Jugendherbergen seit Tagen, dass da noch so ein Mädel unterwegs sei, die das gleiche machen würde, offensichtlich radelt er mir seit einigen Tagen mit einer Tagesetappe Abstand hinterher. Wir nahmen an einer Führung durch Maes Howe teil, die zufällig gerade stattfand und wo gerade noch Platz war (eigentlich muss man reservieren) und radelten diee wenigen Kilometer zu den weiteren Stätten zusammen. Natürlich gab es viel zu erzählen, weswegen wir meistens nebeneinander fuhren, was den einen oder anderen Autofahrer wahrscheinlich weniger begeistert hat…

Maes Howe war sehr beeindruckend. Es handelt sich um eine Grab?-Kammer, aus Sandsteinblöcken gebaut, die zum Teil 7 Tonnen und mehr wiegen. Diese Blöcke wurden vor fast 5000 Jahren zu diesem akkuraten Bauwerk zusammengefügt, so genial, dass sie bis heute bis auf das Dach komplett erhalten sind und die Steine so geschickt arrangiert, dass keine Feuchtigkeit ins Innere dringt. Und auch hire findet sich ein bisschen realisertes Astronomie-KnowHow: Zur Mittsommerwende scheint die Sonne exakt durch den Eingang und beleuchtet den Stein gegenüber des Eingangs. Tatsächlich kann man das Phänomen wohl während einiger Wochen rund um dieses Datum beobachten, sogar per Webcam auf der Homepage.

Eine zweite Epoche hat sich in dieser Kammer vereweigt: zahlreiche Runen erzählen von der Nutzung für die Wikinger für deren Verewigung, und dank der Führung konnte man auch erfahren, was diese prähistorischen Graffitis bedeuten – zum Teil auch nichts anderes als heutzutage: XXX war hier und ist ein Toller.

Die anderen beiden Steinmonumente waren wegen ihrer Größe auch sehr sehenswert. Am Ring of Brodgar stehen noch 27 von ursprünglich 60 Steinen und er ist mit einem Durchmesser von 104 um einiges größer als das wesentlich berühmtere Stonehenge. Wahrscheinlich hat letzteres den besseren Marketing-Manager. Das ganze Gebiet um diese Monumente gehört, wie ich meine, verdient, zum UNESCO-Weltkulturerbe.

brodgar

Der Ring of Brodgar - beeidruckende Steinplatten, vor tausenden von Jahren arrangiert

Nach dem Ring trennten sich Armins und meine Wege wieder, wollte er noch weiter nach Skara Brae, der Rekonstruktion von neolithischen Behausungen. Mir war das ein wenig zu weit und so trat ich den Rückweg an. In Stenness Village machte ich in einer durch und durch rosa gestalteten Eisdiele Teepause. Ziemlich abgedreht, solch einen Laden in the middle of nowhere zu finden.

rosaeisdiele

Rosa Eisdiele am Ende der Welt - very special!

Beim Rückweg heiterte sich das Wetter auf und die Sonne kam ein wenig heraus. So konnte ich noch ein paar schöne Fotos von dieser wunderbaren Insellandschaft machen. Auch in Kirkwall machte ich noch ein paar Fotos, wo das gestern doch wegen trüber Stimmung total flach fiel.

So blieb mir nur noch, mein Gepäck aus dem Hostel-Gartenhäuschen zu holen und mir einen Ort zu suche, wo ich etwas ordentliches zu essen bekommen würde und per WLAN zum Rest der Welt Kontakt aufnehmen konnte. Gegessen habe ich im ‘The Shore’ hervorragend (habe mir heute mal ein bisschen was gegönnt) und jetzt sitze ich in der Bar desselben Hauses und verbringe die Wartezeit für die Fährpassage, wo ich Armin wieder treffen werde.

4 Comments leave one →
  1. Die andere Ute permalink
    30.07.2010 19:54

    Hatte Armin auch ein Sommerrouten-Boots-Kletter-Erlebnis?? Oder war er weise und hat die Winterroute genommen?

    • 1.08.2010 20:28

      Da war eine Touristeninfo an der Stelle, wo sich die Route getrennt hat, und er hat gefragt. Ich hatte ja a) im Internet geschaut und b) war die bei mir noch nicht offen, zu früh am Morgen.

  2. 30.07.2010 08:52

    “XXX war hier und ist ein(e) Tolle(r)”
    Daggi, ich mache mir Sorgen! Vor 5000 Jahren hättest Du einfach mit Hammer und Meisel Deinen Tag für die Ewigkeit hinterlassen können. Aber glaubst Du im Ernst, dass dieses Blog in 5000 Jahren noch online ist?
    Wäre das nicht eine tolle Business-Idee: ein WordPress-to-Hammer&Meisel-Interface? So könntest Du Deine Heldentaten für die Ewigkeit dokumentieren!

  3. Die andere Ute permalink
    29.07.2010 20:02

    Guten Schlaf!

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