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Orkneys

27.07.2010

Thurso – John O’Groats – (Fähre) – Burwick – Kirkwall

75 km

So früh wie heute morgen war ich noch nie losgekommen: Um 10 Minuten vor acht rollte ich die letzten Festland-km an. Zuvor hatte ich noch ein Selbstbedienungs-Frühstück in dem etwas verratzten und engen Hostel über dem Fish & Chips-Takeaway eingenommen. Immerhin war ein kompletter Kühlschrank mit Frühstückszutaten gefüllt und man konnte sich nehmen, was immer und vor allem wann man wollte.

Das Ziel war, die Fähre um 10:30 in John O’Groats zu bekommen, wovon mich 35 km zum Startzeitpunkt trennten. Ich gab ordentlich Gas und das Land unterstützte mich beim schnellen Erreichen des Ziels. Wie gestern schon festgestellt, rollt das Land langsam aus und wird flacher, die Bergwertungen also immer zahmer.

gehwegplatten

Offensichtlich Teil eines ehemaligen Steinbruchs, wo man wohl die besagten Gehwegplatten abbaute

Und tatsächlich war ich trotz einiger Fotos, die ich doch noch machte, um kurz vor 10 Uhr in John O’Groats. Was für ein Kontrast, mal wieder. Der Ort an sich ist ja nicht existent, aber das ganze hat Nordkapp-ähnlichen Status und war von hunderten Touristen bevölkert, von denen einige offensichtlich auch auf die Fähre wollten. Ich hatte schon richtig Angst, nicht mitzukommen, bei so viel Leuten.

johnogroats

Die Nordseeradlerin am Ende des 'britischen Festlandes' in John O'Groats. Der Touristenrummel lässt sich erahnen...

Schon bevor man die Fähre überhaupt sehen konnte, reihte sich die vorwiegend britische Menschenmenge zu einer ordentlichen Warteschlange auf. Queueing in Reinform, und so stand die Schlange ca. 20 Minuten würdig auf dem etwas zugigen Anleger – mir wurde ordentlich kalt in meiner kurzen Hose.

Endlich war es soweit und alle durften einsteigen. Trotz des nicht besonders großen Bootes gingen problemlos alle rein, auch alle Fahrräder durften mit. Blöderweise keinerlei Tee- oder Kaffee-Angebot, damit hatte ich gerechnet.

Nach einer dreiviertel Stunde auf z. T. recht lebendiger See trotz des quasi nicht vorhandenen Winds – wahrscheinlich herrschen hier ordentlich Gezeitenstöme – legte das Boot in Burwick an, dem südlichsten Außenposten der Orkneys. Vier oder Fünf Busse standen bereit, auf die sich die ganze Masse scheinbar koordiniert verteilte. Ich ließ mir noch etwas Zeit, hatte ich doch auf der Fähre nichts positives für meine Energiebilanz bekommen und musste noch eine Kleinigkeit essen. Nach wenigen Minuten röhrte der letzte Bus davon und ich war allein in dem Warte-Toiletten-Container, der einzigen Infrastruktur am Fähreanleger. Eine unglaubliche Stille breitete sich aus.

So still waren auch die ersten km Richtung Kirkwall – allenfalls alle 10 Minuten mal ein Auto. Fast unglaublich, wenn man aus dem verkehrsverseuchten Mitteleuropa immer ein leichtes Grundrauschen gewöhnt ist. Und dazu war das wieder eine ‘A’-Straße!

Die Straße zieht sich von Anhöhe zu Anhöhe und man hat ständig neue,  gewaltige Ausblicke auf Klippenküste und die Nachbarinseln. Dazu wurde das Wetter besser und besser, irgendwann radelte ich im T-Shirt in der Sonne. Der Wind, wie schon in den letzten drei Tagen quasi nicht existent, dabei sollen diese Inseln doch so mega-windig sein! Alles in allem ein kaum zu toppender schöner Radnachmittag.

inseln

Das ist richtig gigantisch hier, und dazu noch schönes Wetter. Unglaublich!

Jetzt bin ich zwei Nächte im Orcades Hostel untergekommen, da ich ja erst am Donnerstag abend die Fähre auf die Shetlands nehme. Alles in allem bin ich jetzt sogar 2 Tage zu früh, wer hätte das gedacht? Das Hostel ist allerdings wieder eines von den ganz netten: ich teile ein Zimmer mit Jane, viel Platz, Dusche & WC beim Zimmer, gemütlich, sauber, die Küche in hervorragendem Schuss, WLAN – einfach perfekt, gerade wenn man zwei Tage bleiben möchte!

6 Comments leave one →
  1. 27.07.2010 20:55

    2 Tage zu früh?
    Da waren die beiden Zugfahrten ja vollkommen überflüssig. Ärgerlich, oder?

    • 27.07.2010 20:56

      Och… ich werde mich nicht langweilen, ich kann auch mal auf Radfahren verzichten, ich mach das grad ziemlich oft, weisst?

      • 28.07.2010 07:11

        Ja ja, kann man ja in Deinem Blog nachlesen, dass Du ziemlich oft aufs Radfahren verzichtest und alternative Beförderungsmittel nutzt.😉

  2. Die andere Ute permalink
    27.07.2010 20:01

    Und jetzt?
    Ruhe und zu Fuß? Oder ohne Gepäck Rad fahren? Das fühlt sich sicherlich ähnlich komisch an wie das Gehen nach einem Tag mit 20 kg auf dem Buckel. Du hast dir ein wenig Ruhe verdient! Ist dein Ruhepuls schon gesunken? Am Ende musst du dann womöglich noch abtrainieren…
    Ich wünsche dir weiterhin gutes Wetter!

  3. 27.07.2010 19:51

    Das sieht irgendwie alles so verlassen und einsam aus🙂

    • 27.07.2010 19:57

      Ist es schon irgendwie – aber Du hast das Gefühl, unglaublich viel Platz zu haben😉

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