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Noch nasser

21.07.2010

Aberdeen – Newmachar – Tarves – Maud

60 km

Aberdeen? Gestern hieß der Ort doch noch Stonehaven?

Tja, bezüglich allem, was ich bisher an Schlechtwetterbedingungen hatte, kann ich sagen, das schlechte Wetter hat wohl nur geübt. Heute war es richtig fies. Das fing am Vorabend an: Ich hatte mich aufgrund der hohen Preise in Stonehaven entschlossen, auf dem Campingplatz zu übernachten. Der Tag war wirklich schön gewesen, und dann spricht ja eigentlich nichts dagegen. Kurz nach meinem Internet- und Essensgang im Royal Hotel in Stonehaven war ich wieder im Zelt und bette mich zur Nachtruhe, schon fing es fünf Minuten später an, richtig kräftig zu regnen. Und so ging es die ganze Nacht mehr oder weniger einher, bei dem Schauerlärm auf dem Zeltdach bin ich natürlich oft wach gewesen.

Morgens die Situation dann leider unverändert. Also das ganze Gedöns im Zelt zusammen packen, Innenzelt aus der Aufhängung fummeln und gesondert verpacken, unter dem Außenzelt die Regenklamotten anziehen und den Rest mit geschätzten 5 l Regenwassern zum Gepäck dazu. Danach erst mal wieder ins Royal Hotel, wo ich ein mächtiges schottisches Frühstück bekam.

Stonehaven ist nun ein Ort mit Bahnstation, der 2 Nahverkehrszug-Stationen vor Aberdeen liegt. Außerdem war die Routenführung nach Aberdeen richtig blöd: auf ca. 15 km Luftlinie kamen fast 40 km Radroute, ordentlich Auf und Ab inbegriffen. So reifte schnell der Entscheid, bei diesem widerwärtigen Wetter zumindest dieses Stückchen mit Scotrail zu erleichtern, damit das geplante Etappenziel erreicht werden würde. Und so habe ich wieder ein paar km weg geschummelt, man möge es mir verzeihen…

Aber der durch die Bahnfahrt reduzierte Heldenfaktor wurde durch die restlichen gut 50 km wieder ordentlich aufgewertet. Nicht nur, dass es ohne Unterlass schüttete, auch der Wind hatte kräftig aufgefrischt und kam direkt von Norden. Direkt nach Norden war heute allerdings die einzige Richtung, die ich hatte.

So ging ich die Restetappe nicht mit übergroßer Begeisterung an. Von Aberdeen habe ich nur einen kleinen Eindruck gewonnen, es ist aber eine schöne Stadt mit vielen alten Gemäuern. Die gut beschilderte Route führte durch Old Aberdeen, wo altehrwürdige Gebäude der Universität zu bestaunen sind. Leider auch widerlichstes Kopfsteinpflaster auf steilen Straßen, was den Genuss etwas reduzierte.

Hinter Aberdeen war wieder einmal Bahnstrecken-Radweg angesagt. Dummerweise hat es hier offensichtlich nicht für eine Asphaltdecke gereicht. Der Regen schwemmte die oberste Schotterschicht schön ein wenig auf, und mit dem Gegenwind und der zwar nicht sichtbaren, aber fühlbaren Steigung hatte ich über viele km nicht mal 10 km/h drauf. Nicht mal die allenthalben am Wegesrand sitzenden Kaninchen flohen besonders panisch vor mir heute.

Irgendwann kam ich dann mal wieder in ein größeres Örtchen – Newmachar, wo ein schönes Pub für eine Weile ein trockenes Plätzchen bot. Ich konnte sogar meine Regensachen auf die Heizung hängen und bei Tee und Toastie neue Kräfte sammeln.

Dann weiter, immer kräftig gegen den nassen Wind schaufelnd, nach Tarves. Hier hatte ich mir schon überlegt, wieder eine Trockenpause einzulegen. In der Ortsmitte Ausschau haltend, sah ich nur einen Laden, und auch nur auf den zweiten Blick: Ein altehrwürdiges Eckgebäude, in dessen Fenster mit goldenen Lettern ‘Duthies of Tarves’ stand. Durch das Fenster sah man allerdings Regale mit Kondensmilch und Baked-Beans-Dosen – also doch ein Laden. Ich brauchte sowieso etwas, also hinein.

Drinnen fragte ich, ob es einen Coffee Shop gäbe. Ein sehr freundlicher Herr verneinte dies, zeigte mir aber seine Coffee-Shop-Ecke und meinte, ich könnte fast alles haben, was ich möchte. Ich durfte zwei seiner drei Stühle mit meinen Regenklamotten behängen und mir selbst wurde auf dem dritten Stuhl Darjeeling und eine Schokostange serviert.

duthies

Duthies of Tarves - mehr als ein Laden, ein richtig netter Treffpunkt

Der Laden selbst war außergewöhnlich angenehm und hatte ein sehr gutes Sortiment. Norman – der Besitzer des Ladens – erzählte mir unter anderem, dass dieser Laden eine lange Tradition hat und Treffpunkt des Dorfs sei. Ich hatte auf jeden Fall einen sehr netten Teestopp dort und alle anderen Anwesenden auch ein wenig Abwechslung, Fernradler bei diesem Wetter hat man wohl nicht so oft.

Danach weiter gegen Wind und Wetter und Kuppe rauf, Senke runter. Immer mal wieder Megapfützen, wo man den Grund nicht mehr sah. Irgendwann kamen die letzten 5 Meilen, wieder auf dem gleichen Ex-Bahnstrecken-Radweg. Der Schotter war etwas abgetrocknet, allerdings meinte der Wind noch mal so richtig, er müsste es mir zeigen. Ich habe ihn mit den wüstesten Beschimpfungen angebrüllt. Schien ihn  allerdings wenig zu kümmern, schade.

pfuetze

Immer wieder richtiggehende Überschwemmungssituationen

In Maud wartete Deborah und mein zuvor schon telefonisch gesichertes Breakfast-Bett auf mich, was für eine Erleichterung nach diesem Tag. Ein richtig nettes Haus mit langer Tradition und großem Raum, wo ich mein ganzes nasses Gedöns ausbreiten konnte (Maud war wohl dereinst der wichtigste Viehhandelsplatz in Schottland), und auch hier wieder nahm man mich so freundlich auf!

3 Comments leave one →
  1. Holger permalink
    23.07.2010 06:34

    Hut ab! Da gehört schon eine ordentliche Portion Idealismus dazu, bwi solchem Wind und Wetter das Ding durchzuziehen. Du hast meine Bewunderung. Ich kann Dich übrigens trösten: In good old Germany ist auch nicht viel besseres Wetter🙂
    Grüße aus Leonberg
    Holger

  2. 22.07.2010 09:54

    Aha.
    Schon wieder Bahn gefahren.
    Warum machst Du nicht gleich Interrail?

  3. Fraser permalink
    22.07.2010 08:04

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