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Windschatten

17.07.2010

Berwick-upon-Tweed – Kelso – Walkerburn

100 km

Tschüss England, hallo Schottland!

Nach Edinburgh waren auf der Karte 2 Alternativen der Routenführung gegeben: eine küstennahe (sogar nähere), und eine durchs Hinterland. Ich entschied mich für die Hinterlandroute, da die Küstenroute meilenweit an stark befahrenen ‘A-Roads’, quasi Bundesstraßen entlangführt. Das Land faltet sich mit wachsender Entfernung zur Küste zu ziemlichen Hügeln, aber wie wir gestern gesehen haben, ist die Route an der Küste entlang nicht wirklich flach. Im Gegenteil, die Etappe heute war länger und ich habe ‘nur’ 913 Höhenmeter Aufstieg gesammelt.

Der Wind hatte gott sei dank nachgelassen. Allerdings blies mir immer noch recht häufig eine kräftige Brise aus West ins Gesicht. Was den Wind wieder ziemlich lästig machte, hatte ich doch heute nur eine Richtung, nämlich Westen.

So begann ich die Etappe mit steter Hügelkurbelei. Ging es mal flach daher, musste man immer wieder streckenweise in leichtem Gang gegen den Wind pedalieren. OK, so ist es eben.

Es waren ziemlich viele Radler unterwegs und ich wurde immer mal wieder überholt. Irgendwann überholten mich eine graue Jacke, eine neongelbe und eine neonorangene, die offensichtlich zusammen radelten. Sie fuhren ein nur wenig höheres Tempo als ich und da gerade wieder ein Stück Gegenwind angesagt war, klemmte ich mich in den Windschatten. Was für eine Erholung!

Dies ging einige Kilometer so, bis die drei  in einem etwas größeren Ort pausierten. Ich fuhr weiter, man will ja auch nicht sofort an Unbekannten kleben bleiben. Sie meinten jedoch schon ‘We’ll meet you in a minute!’.

Und so war es fast. Aus dem Ort raus, natürlich wieder mal gehörige Bergwertung, dann um die Kurve und ich musste auch erst mal die Flüssigkeitsspeicher etwas nachtanken. Und da waren sie schon wieder! Da sie zuvor nichts dagegen hatten, klemmte ich mich wieder dahinter.

Man kam natürlich ins Gespräch, und nach und nach hatte ich das Gefühl, dass sie sich rührend um mich kümmerten. Einer wartete immer, wenn ich mal den Anschluss nicht mehr hatte. Sie machten Witze darüber, dass drei starke Jungs mit leichtem Gepäck mit einer schwerbepackten Lady unterwegs waren und hofften, dass sich keiner darüber aufregt😉

Das Tempo war ganz schön gut, sie zogen mich förmlich über die ziemlich deutlichen Hügel. Allein wäre ich hier sicherlich gemütlicher drüber gezockelt, aber so hatte ich trotz späten Starts um 13:00 schon 50 km auf dem Zähler.

In Kelso machten Colin, David, Richard und ich gemeinsam Pause in einem Tea Room, mit Tee und Quiche. Sie luden mich sogar ein! Leider fuhren die drei nur bis Melrose, so dass ich noch mal 15 Meilen in angenehmem Windschatten verbringen durfte. Ich wollte auf jeden Fall noch weiter bis nach Innerleithen, damit mein Soll erreicht wird. Und tatsächlich bin ich nun 3 Meilen vor Innerleithen untergekommen und habe exakt 100 km auf dem Zähler.

Die Gegend ist hier komplett anders als zuvor: mächtige grüne Hügel. Haufenweise Schafe setzen weiße Punkte ins Bild und Mäuerchen ziehen graue Linien über die Hügel. Viel Wald gibt es hier – ich habe das Gefühl, dass die Schotten hier ein wenig in der Schweiz im Voralpengebiet abgeschaut haben. Aber auch wieder wunderschön hier und fast schade, dass man so schnell durchradelt!

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