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Schlösser und Klippen

16.07.2010

Amble – Berwick-upon-Tweed

88 km

Großartig aber heftig anstrengend. Solche Extremwerte hatte ich bei bisher noch keiner Etappe.

Der Wind von gestern hatte sich heute morgen gefühlt bis fast Sturmstärke gesteigert. Zum Glück hatte er die Richtung beibehalten, so dass zumindest ein teil der heutigen Etappe wieder mit ein wenig Schiebehilfe sein würde. Die Wolken hingen allerdings dicht und tief und die Temperatur war gefühlt höchstens mal gerade zweistellig, aber ich bin ja schließlich nicht zum Vergnügen hier.

Sturmböenumtost startete ich in Richtung Berwick. Bald kam das erste Stück ‘rough track’ – ein für Radler freigegebener Wanderweg. Die Oberfläche von diesen Tracks variiert sehr stark: mal rollt man besser als auf dem teilweise extrem schlecht verlegten Asphaltboden, mal hat man Singletrail pur und muss durch Matsche, groben, losen Schotter oder mühsam über die Wiese kurbeln. Dazu kam der ordentliche Regen, den diese Wege die letzten Tage gesehen hatten – riesige Wasserlöcher waren zu umfahren.

Heute war offensichtlich der Tag von Singletrail pur. Schon der Vormittag führte direkt an der Küstenlinie entlang auf so einem Weg. Extrem schön, man hatte eine bildbandtaugliche Aussicht nach der anderen, aber mühsam kurbelte man sich Meter für Meter voran. Dazu Wind vom heftigsten und ab und zu schüttete eine Schauerwolke ihre Fracht auf die Erde.

basalt

Großartige Küstenabschnitte, wie hier z.B. mit Basaltfelsen

Endlich wieder auf Asphaltsträßchen rollend stellte sich die Orographie als ziemlich faltig heraus. Man hatte immer mal wieder eine wunderschöne Sicht auf das dunkelblaue Meer, die grünen Wiesen (ja, hier ist grün die vorherrschende Farbe), den blauen Himmel und ddie weißen Schafe. Die dann aber immer erkämpft werden wollte: unzählige Male stürzte man förmlich tief in Löcher hinab, um von dort wieder steil zum nächsten Hügelchen hinauf zu kurbeln. Im großen und ganzen war die ganze heutige Etappe so, kaum Passagen, wo es mal rollte. Mein GPS hatte heute abend insgesamt 999 hm Aufstieg summiert. OK, mit der Treppe des B&B.

Viele Ruinen standen am Weg. Und nicht nur Ruinen, ein gigantisches Schloss war am Weg: Bamburgh Castle. Alle bisherigen Schlösser, und derer gab es einige! – können nicht wirklich dagegenhalten, das ist ein wirklicher Koloss. Offensichtlich hat diese gegend sich früher viel gegen unerwünschte Besucher wehren müssen, die von Westen viel Platz hatten zur illegalen Einwanderung mit dem Zweck der Aneignung von Gütern und Land.

bamburgh castle

Bamburgh Castle - was für ein Bollwerk zur See hin!

In Bamburgh traf ich ein holländisches Paar wieder, die im selben B&B übernachtet hatten. Sie hatten dasselbe Ziel wie ich, und so radelten wir die letztn 24 Meilen zusammen. Art und Marianne hießen sie, vermutlich schon Rentner – aber fit wie Turnschuh. Sie sind in der gleichen Richtung wie ich unterwegs. Bemerkenswert die Leinentaschen von Art: Sicher mehrere Jahrzehnte alt, aus verblichenem Leinen mit Lederriemen als Verschluss und Holzleisten, um die Rückwand der Tasche zu stabilisieren. Also Gegenprogramm zu absolut wasserdicht – Quick Release – und was den Marketingstrategen sonst noch einfällt, um uns glauben zu lassen, das wir das haben müssen.

Von weitem sah man die ‘Holy Island’ – Lindisfarne. Zu dem ehemaligen Kloster führt eine Straße, die nur bei Ebbe befahrbar ist.

So zog sich der Weg über ‘rough tracks’ und  Hügel, zum Schluss noch spektakulär auf den Klippen vor Berwick (natürlich auch wieder Single-Trail-Klasse. Irgendwann tauchte es dann wirklich auf, um einiges später, als ich kalkuliert hatte.

2 Comments leave one →
  1. 17.07.2010 10:00

    Also bei 999hm hätte ich nach dem Abendessen noch einen Blick auf den Reifendruck geworfen und hätte auf dem Weg zurück vom Fahrradkeller den letzen Höhenmeter realisiert.

    • 17.07.2010 19:26

      Das Fahrrad durfte ebenerdig schlafen – Fahrradkeller kennen die hier nicht. Und 999 ist doch schön, oder?

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