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Northumbrias Küste

15.07.2010

Newcastle – Tynemouth – Amble

80 km

Die ersten zwei Stunden des Tages verliefen mit so wenig Muskelkraft wie noch nie zuvor. Ich hatte ja beschlossen, bis Newcastle den Zug zu nehmen, damit ich morgen in Berwick mein Päckchen auf der Post abholen kann.

Bahnfahren mit Rad ist hier in England ziemlich angenehm: Selbst Schnellzüge nehmen in aller Regel Räder mit, und zwar kostenlos! Man muss sich melden, dann schließt ein Angestellter ein Gepäckabteil auf, wo richtig sinnvolle Fahrradständer einfach zu erreichen sind. Das Gepäck darf man auch dranlassen. Dann muss man nur raus und durch die erste Klasse spurten, um einen Sitzplatz einzunehmen.

Ich hatte nette Begeleitung: Dominic, der sogar ein bisschen Deutsch sprach, weil er dreimal zum Austausch in Freiburg war. Er hatte ebenfalls sein Rad dabei, stieg auch in Newcastle aus und geleitete mich sogar noch zum Fluss, wo der Radweg Richtung Osten verlief. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich 20 min gebraucht, bis ich mich in alle Spuren richtig eingefädelt gehabt hätte.

Der Weg aus Newcastle heraus verlief auf dem sogenannten ‘Hadrian’s Way’ – mal wieder eine umgemünzte Bahnstrecke. Auf diese Weise war zumindest der erste Teil Richtung Nordsee recht entspannt. Bis Tynemouth waren allerdings noch einige Meilen Vorstadtgezackel zwischen allen möglichen Schnellstraßen gefordert. Gut beschildert, also gut zu finden, allerdings ist so etwas hier immer mit viel Schutzgattern, um die man eng um die Ecke schlägeln muss, verbunden. Zuweilen etwas nervig.

hadriansway

Der Hadrian's Cycleway - mal wieder eine gut ausgebaute ehemalige Bahnstrecke

Und plötzlich kommt man an die ‘Ecke’. D. h., die scharfe 90°-Ecke, die das Land bei Tynemouth beschreibt und die den Übergang von Flussufer zu Küste bildet. Was für ein Wechsel. Plötzlich findet man sich mitten in einer richtigen Hafenatmosphäre wieder – habe mich hier in einem der zahlreichen Fischrestaurants mit einer gigantischen Portion Nationalgericht gestärkt. Dann geht es ‘um die Ecke’ und der Radweg geht direkt am Strand auf einer breiten Promenade entlang – man wähnt sich beinahe in Nizza!

Und direkt an der Küste geht es eine ganze Weile weiter, von einer ‘Wow’-Aussicht zur nähsten. Ich musste mich richtig zusammenreissen, dass ich meine Begeisterung nicht laut hinaus brülle, sonst hätte mich die Anwesenden für noch verrückter gehalten😉

wow

Immer wieder eine neue spektakuläre Aussicht

Leider wird die Strecke noch einmal durch über eine Stunde hässliches Vorstadt-Gezackel unterbrochen. Die Gegend um Blyth ist stark besiedelt, vor allem von Industrie. Die Radroute geht auf der Landseite um die Ansiedlungen herum. Wieder haufenweise Schnellstraßen, müllangereicherte Industriegebiete und Vorstadtsiedlungen. Und wieder haufenweise diese Sicherheitsgatter, um die man meistens absteigenderweise mühsam drumrum fädeln muss. Hier haben die Erschaffer der Fahrradinfrastruktur wirklich etwas übertrieben, wie ich meine.

Irgendwann hatte ich dann Newbiggin-by-the-Sea erreicht, was eigentlich von der offiziellen Route umfahren wird, aber mein Track fuhr dort lang. Es gab allerdings auch nur ‘große Straßen’, die in diesen Ort und wieder weg führten. Ich war allerdings richtig froh, weil ich in einem netten Pub etwas trank, und man mir dort die Aussicht aufs Meer empfahl. Dort steht nämlich die größte Offshore-Skulptur von Großbritannien – wieder ein neuer, bereichernder Küsteneindruck.

Den Rest der Route ging es wieder direkt am Meer entlang. Immer wieder öffnete sich der Blick auf sandige Klippen, Dünen, Strand ud ordentlich Brandung. Wunderschön! Von dem kräftigen Wind gut unterstützt erreichte ich Amble und bin mal wieder in einem richtig netten B&B direkt am Hafen.

hafen

Im Hafen von Amble

Alles in allem die bisher spektakulärste und landschaftlich reizvollste Etappe, wie ich meine. Und den ganzen Tag Rückenwind vom feinsten! Was kann das Leben schön sein!

11 Comments leave one →
  1. 17.07.2010 19:27

    Ausreden über Ausreden.

  2. 16.07.2010 19:13

    Ich sach da jetzt mal nix weiter dazu😉

  3. 16.07.2010 15:38

    Musst Du nach der skandalösen Zugfahrt nun nicht eigentlich dieses Blog umbenennen? Jetzt sollte es nicht mehr “Nordseerunde” sondern “Nordseekreissegment” heißen, findest Du nicht?

    • Ute permalink
      16.07.2010 19:05

      Sei nicht so kleinlich, schließlich besitzt DU mittlerweile ein Auto. Das nenne ich mal skandalös!

      • 17.07.2010 09:54

        Ich ‘abe gar kein Auto!
        (Ich habe lediglich meiner Frau ein Auto finanziert.)

    • Die andere Ute permalink
      27.07.2010 19:54

      Jürgen, darf ich dich aufklären, dass du Kreisbogen – nicht Kreissegment – meinst? Nur mal so…

      • 27.07.2010 20:53

        Stimmt! Du hast vollkommen Recht! Ich meine natürlich, Daggi sollte den Blog umbenennen in “Mannigfaltigkeit von Nordseekreisbögen”.
        Man/Frau verzeihe mir diesen Fehler, ich muss durch meinen Neid bei der täglichen Lektüre der Buggleschen Ausführungen geblendet gewesen sein.

      • 27.07.2010 20:57

        Das mir dieser wunderbar griffige Title nicht selbst eingefallen ist….

  4. 15.07.2010 21:22

    Can you tell me who did your layout? I’ve been looking for one kind of like yours. Thank you.

    • 22.07.2010 20:31

      Hi, it is just a wordpress standard theme, it’s called vigilance. Feel free to use it!

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