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York

14.07.2010

Ich war heute den ganzen Tag getrennt von meinem Rad. Bei so engen Beziehungen muss man auch mal Abstand finden😉

Der erste Weg zu Fuß führte mich zum Bahnhof. Ich hatte nochmals die km zusammengezählt und unter der Maßgabe, dass ich am Freitag abend in Berwick-upon-Tweed sein muss (dort liegt postlagernd ein Päckchen für mich), hatte ich mich entschieden, den heutigen radelfreien Tag wieder per Bahn ‘reinzuholen’: OK, ich schummle! Dieses eine Mal!

Zunächst galt es herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Bahn – vielmehr welche Bahn, hier gibt es zahlreiche Privatgesellschaften – mein Rad mitnähme. Und ich war überrascht, als meine erste Nachfrage mit mehr oder weniger in allen Zügen kein Problem beantwortet wurde, also auch den Schnellzügen. Und beim Fahrkartenkauf war ich noch überraschter, weil das Rad nichts (in Zahlen: 0) zusätzlich kostet. Und dann setzen sie noch eins drauf: Man muss sich beim Bahnpersonal melden und sie helfen Dir auch noch. Hallo, deutsche Bahn, Ihr könntet Euch mal ein Beispiel nehmen!

Dann weiter in Richtung Seeing the sights of the Innenstadt. Zuerst habe ich mich wieder Richtung kirchliches Gemäuer gewandt. Und nach Norwich, wo mich die Cathedral ja auch schon sehr beeindruckt hatte, setzt das Minster hier absolut noch einen drauf! Man findet hier eine der weltweit größten Ansammlungen mittelalterlicher Glasmalerei in den Fenstern.

Ich nahm an einer Führung teil, was sich auch sehr gelohnt hat. Die zierliche ältere englische Lady wusste so manche Geschichte zu erzählen. Die Wurzeln von York reichen bis ins Jahr 71, als die Römer die Festung Eboracum gründeten. Aus dieser Zeit stammen die ersten romanischen Schichten des Minsters. In der Krypta waren einige der ältesten Steine zu bewundern. Die weiteren Kirchen’schichten’ wurden mehr oder weniger alle übereinander gebaut. Die armen mittelaterlichen Baumeister mussten so manche krumme Linie ausgleichen, was sie uns sehr schön zeigte.

Die Fülle an Glasmalerei-Fenstern war wirklich extrem beeindruckend. Die Fenster waren in allen Kriegen vor dem 20. Jahrhundert wie durch ein Wunder unbeschädigt geblieben. Ein einziges Fenster hatte mal ein Einschussloch abbekommen, was gut sichtbar mit relativ unpassenden blauen Motiven wieder geflickt wurde. Zu Beginn der Weltkriege wurde sie schnell in Sicherheit gebracht und danach wieder zusammen gepuzzelt, vor dem zweiten Weltkrieg muss das ziemlich hektisch gewesen sein – kaum wieder zusammen gesetzt, schon mussten sie es wieder wegräumen.

Das größte der Fenster wird jedoch gerade restauriert. Man brauchte allein mehrere Jahre, um das Fenster wegzupuzzeln. Es wurde duch ein lebensgroßes Panel ersetzt, das von Kletterern aufgehängt und gespannt wurde. Auch dazu hatte die Dame eine Geschichte parat: Einem der Kletterer riss wohl der Gurt, als er sich in gut 20 m Höhe befand. Er stürzte ab und konnte nach 3 Stunden völlig unversehrt das Krankenhaus verlassen. Da hat der heilige Geist sicher seine schützende Hand drunter gehalten!

panel

Ein Teil des Panels, was das riesige Glasmalereifenster derzeit ersetzt. In 2020 soll es wieder an Ort und Stelle sein - da muss ich wohl noch mal hin!

Zwei kleine Fensterteile waren zur nahen Betrachtung in Vitrinen ausgestellt. Beim einen sah man die hektische Nachkriegs-Zusammenpuzzelei gut: Pferdekopf mit ohne Pferd dran und so ähnlich. Das zweite hatten sie restauriert und man sah, wie erstaunlich detailliert die Malerei war – obwohl die Fenster ja in solcher Höhe hängen, dass das normalerweise kein Mensch wahrnimmt.

Ganz ergriffen war ich, als über Lautsprecher kurz zur Andacht gerufen wurde und ein kleines Gebet gesprochen wurde und der ganze doch recht lebhafte Touristentrubel mit haufenweise Japanergruppen, Schulausflüglern und sonstigen zahlreichen Besuchern für ein, zwei Minuten innehielt. Wie als hätte man man kurz die Zeit angehalten.

Ganz beseelt schlenderte ich danach stundenlang durch die wunderschöne Altstadt. York ist wirklich ein tolles Plätzchen zum Besuchen und sicher auch zum Leben. Hat sich voll gelohnt, der Ruhetag!

york

Mittelalterliche Gassen in York

4 Comments leave one →
  1. Sonja permalink
    14.07.2010 19:58

    da sind bestimmt frische Radlerunterhosen drin😉
    Von York hat mir schon anno 1986 mein damaliger englischer Mitpraktikant vorgeschwärmt. Der hat damals dort studiert und mir damals alle möglichen dortigen Highlights beschrieben, incl. Nightlife. Ist halt schon ne Ecke her, ne.
    Und außerdem sollst Du Dich ja ausruhen.

    • 14.07.2010 20:14

      Genau, hab alle meine Klamotten maschinenunterstützt gewaschen😉

  2. Ute permalink
    14.07.2010 19:00

    Jetzt bin ich aber neugierig. Was denn für ein Päckchen? Was hast Du vergessen?😉

    • 14.07.2010 20:13

      Ich hab ausnahmsweise mal nix vergessen! Ich hatte mir Kärtchen machen lassen mit meiner Blogadresse drauf. Blöderweise kamen die direkt aus USA und waren erst in Meckenbeuren, als ich schon an der Nordsee war. Und jetzt dieser Stress😉

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