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Wind, Wasser und weiblicher Wankelmut

11.07.2010

Holbeach – Boston – Woodhall Spa – Lincoln

99 km

Schon am frühen Morgen rüttelte ein wenn auch nicht wütender so doch ziemlich ungehaltener Wind an meinem Zelt, was nicht mal der Panzer hinter mir verhindern konnte. Ich hatte es auf wetteronline vorher gesehen: Böen bis zu 70 km/h standen auf dem Programm.

Aber zunächst gab es Frühstück im ‘Anglia Motel’: eine Fernfahrer-Portion Bacon, Ham and Egg, vor der ich trotz befürchteten Gegenwindpassagen kapitulierte. Der Militaria-freundliche Landlord holte mir mein Rad aus dem brandneuen Motelbungalow (es schlief komfortabler als ich!), und ab ging es nordostwärts. Der Wind war wirklich bemerkenswert, als mal richtig Wind eben. Zum guten Glück stimmte meine Richtung meistens, sodass ich gut geschoben über das nach wie vor flache Land rollte. Aber mannomann, die Route macht ja doch neben viel Zick auch ordentlich Zack, und ein paar Meilen hatte ich diesen bemerkenswert ungehaltenen Wind von vorne. Ich wünsche mir wenig Passagen wie diese.

Relativ schnell erreichte ich Boston, wo mein bepacktes Rad mal wieder Aufsehen erregte und ich wie schon so oft mit netten Leuten ins Gespräch kam. Noch einen Kaffee im Park und dann weiter auf dem Track. Aber halt, das ist ja ganz anders als auf der Karte? Bei genauerem Hinschauen konnte man sehen, dass dort die Route auf einem alten Bahndamm entlang des Flusses Witham als geplant verzeichnet war. Inzwischen waren allerdings die kompletten 33 Meilen realisiert, und dazu noch meistens auf gutem Asphalt. Trotz Gegenwinds eine wunderbare Strecke, noch dazu an vielen Stellen wildromantisch zugewachsen und der Wind damit oft ausgeblendet. Viel Kunst entlang des Weges und immer mal wieder eine zeitgeschichtliche Informationstafel.

water rail way

Der 'Water Rail Way', insgesamt 32 km komplett autofrei

Meine Planung war heute nicht wirklich festgeschraubt. Eine der Optionen war, die Route zu verlassen und etwas weiter westlich in einem Independent Hostel zu übernachten. Ein weiterer Plan, war, die Route abzukürzen, da die Route über Lincoln über einige km parallel führt – eine richtig dämliche ‘Nase’ in der Streckenführung. So machte ich in Woodhall Spa kurz Kaffeepause, holte meinen Laptop heraus und befragte die GPS-Software bzw. die dort vorhandene Übersichtskarte. Ich gab neben all den Sonntagnachmittags-Ausflüglern bestimmt ein illustres Bild ab…. OK, das Hostel war definitiv zu weit ab. Aber den ‘Umweg’ über Lincoln? Nee, doof, auf gar keinen Fall. Also abkürzen.

Jetzt ging der Weg aber wieder direkt auf dem alten Bahndammam Flusss weiter. Der Wind hatte inzwischen abgeflaut. Und so beschloss ich spontan an der Stelle, wo ich zum Abkürzen hätte abbiegen müssen – doch nach Lincoln zu fahren. Der Militarialandlord hatte es mir immerhin absolut empfohlen und der Weg war wirklich klasse. Gottseidank bin ich allein unterwegs. So viel weiblicher Wankelmut ist nicht jedermanns Sache!

bahnsteig

Die Bahnsteige und Stationsschilder sind oft noch erhalten

Die letzten km, als die Kathedrale von Lincoln immer fotogener ins Bild rückte, wurde ich noch von Paul begleitet, der mich zuerst überholte und dann doch neugierig wurde. Total nett! Er machte noch zwei Fotos von mir mit der Kathedrale im Hintergrund und lieferte mich am YMCA ab, da er meinte, dass man dort jugendherbergsähnlich übernachten könne.

lincoln cathedral

Im Hintergrund die Kathedrale von Lincoln. Im Vordergrund die Nordseeheldin.

Leider war die Tür verschlossen und es meldete sich auf mein Klingeln nur eine kaum verständliche männliche Stimme, die mir zu verstehen gab, dass es hier nicht einfach ein Hostelbett gäbe. Nun gut, dann muss man eben noch etwas suchen.

Schiebenderweise war ich jetzt auf der Suche nach einem B&B unterwegs und nach 20 min schon fast am Verzweifeln, weil ich nicht einmal ein einziges Hotel sah. Doch da kann man mal wieder sehen, dass trotz aller Internet- und Informationstechnik einfaches Fragen vertrauensvoll aussehender Passanten sehr hilfreich sein kann. Ein sehr nettes Pärchen gab mir den entscheidenden Tipp für die richtige Ecke der Innenstadt, wo ich denn auch problemlos ein Zimmerchen fand und jetzt wieder alle meine Akkus laden kann!

3 Comments leave one →
  1. 19.12.2010 18:44

    Internet wird unterwegs oft überbewertet, finde ich. Die besten Unterkünfte stehen da oft nicht drin.

  2. Paul permalink
    12.07.2010 06:13

    Hi Dagmar, Welcome to Lincoln, sorry you didn’t get a room at the YMCA, I should have waited with you for a little longer and helped you more but am glad you soon found a B & B.
    I hope you have a good rest day in our lovely city of Lincoln and hope the rest of your journey to scotland goes well and the weather stays nice and sunny for you.
    Paul.

    • 12.07.2010 21:12

      No Rest day in Lincoln – I didn’t like the bed in my B&B. But maybe I should have better decided to stay, it was a fight against wind and rain and hills today…

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