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Diaabend

1.11.2010

Am 11.11. werde ich das erste Mal öffentlich in einem etwas offizielleren Rahmen über meine Reise berichten. Der ADFC Bodenseekreis veranstaltet in den Wintermonaten regelmäßig den Radler-Stammtisch. Dort werde ich nächste Woche ein paar von meinen Bildern zeigen und die lustigsten und mitreißendsten Anekdoten zum Besten geben.

Also noch mal zum mitschreiben:

  • Do, 11.11., 19:00 Vortrag über meine Nordseerunde
  • im ADFC-Infoladen, Friedrichstr. 36/2, 88045 Friedrichshafen

Der Eintritt ist frei.

Ganz zuhause

5.09.2010

Am Freitag bestiegen wir um 8:32 den IC (mit Fahrradmitnahme und reservierten Fahrradplätzen, versteht sich) in Hamburg-Altona. Die allerletzte Etappe begann. Radelkilometer waren kaum zurück zu legen: etwa einen zum Bahnhof Altona, genau so viel würde es daheim in Meckenbeuren auch werden.

Sehr geruhsam verlief die Zugfahrt. Ausnahmsweise war mal nur der Strom im Bistro ausgefallen, sodass das ‘Speisenangebot eingeschränkt’ zu Verfügung stand. Zum guten Glück organisierte die Bahn an jedem Bahnhof eine Thermoskanne mit Kaffee, so dass es wenigsten letzteren gab. Umsteigen mussten wir nur in Stuttgart, nachdem mir das Sitzfleisch schon fast wieder geschmerzt hatte, allerdings vom langen Sitzen auf den harten IC-Polstern.

Ein irrer Zufall ereignete sich im IC: ich traf einen sehr netten Mensch wieder, den ich vor zwei Monaten ebenfalls im Zug auf der Hinfahrt kennen gelernt hatte und wir damals schon eifrig ins Gespräch über das Radeln an sich, GPS am Rad und mein Projekt gekommen waren. Und es war wohl der Tag der Zufälle: Eine meiner Twitter-Kontakte (@MoppleTheWhale) stieg mit mir in Stuttgart um. Am Bahnsteig hatten wir sogar ein paar Worte gewechselt. Sie vermutete, dass ich die @db_uebersee bin, traute sich aber zunächst nicht, zu fragen. Später im Zug twitterte sie es aber – wie lustig! Als sie in Ulm ausstieg, plauderten wir noch ein bisschen.

Nach langer Reise längs durch Deutschland erreichten wir ziemlich zur geplanten Zeit (Hut ab, duetsche Bahn!) den Heimatbahnhof Meckenbeuren. Ich ahnte ja schon, dass meine extrem liebe Nachbarschaft meine Ankunft etwas zelebrieren würde. Aber das, was jetzt kam, überstieg meine Vorstellungen dann doch etwas.

Alle Nachbarn waren da! Selbstverständlich hatten sie den roten Teppich mitgebracht, auch wenn es sich um zwei hintereinander gelegte rote Badezimmerteppiche handelte. Dort musste ich natürlich auf dem Bahnsteig drüber fahren (obwohl man ja auf dem Bahnsteig gar nicht radeln darf, erzählt es keinem weiter 😉 Ein Stück Leintuch kam zu neuen Ehren und wurde mit großem Willkommenslogo versehen geschwenkt und ich mit mehreren Sträußen Sonnenblumen überhäuft. Der Prosecco floss in Strömen. Und bei allem – ich glaubte es kaum – war fotografierenderweise die Presse zugegen, die Schwäbische Zeitung hatte eine Redakteurin vorbei geschickt. Sie wird mich diese Woche noch eingehender befragen und dann gibt es wohl einen Artikel über mich. Im Zug schon hatte das ‘Wochenblatt’ angerufen und ebenfalls um ein Interview gebeten. Dabei war ich doch nur ein bisschen radeln…

Zuhause gab es dann erst mal eine zünftige Willkommensparty, es wurde extra für uns lecker gekocht und mein oberschwäbisches Lieblingsbier serviert. Trotz des Blogs gab es natürlich viel zu erzählen, viele Details eignen sich nun mal besser für den privaten Rahmen. Alle freuten sich sichtlich, dass ich wieder heil, gesund und gut gelaunt zuhause angekommen war.

Nun ist schon alles ausgepackt, wieder verstaut, die Wäsche gewaschen und durch den Trockner geschickt, das Zelt geputzt und ausgefegt, die Post durchgeschaut, der Kühlschrank wieder gefüllt, das erste Mal schon wieder am heimischen Herd gekocht – kurzum, so schnell ist man wieder im ‘Alltag’ zurück, auch wenn bisher nur ruhiges Wochenendprogramm angesagt war. Eigentlich fühlt es sich gar nicht nach über zwei Monaten Abwesenheit an, ich habe alles auf Anhieb gefunden. Meine Klamotten sitzen allerdings sehr locker, die meisten Hosen sind nur mit Gürtel ordentlich zu gebrauchen, daran merke ich schon, dass das ein etwas größeres Projekt war. Morgen steige ich nunh wieder in den Büroalltag ein und hoffe dass mich dieser nicht gleich überschwemmt.

Und plötzlich ist man angekommen

31.08.2010

Meldorf – Brunsbüttel – Wedel – Hamburg

125 km

Eine Etappe wie jede andere, mochte man meinen. Aber die letzte, in Hamburg schloss sich der Kreis und die Runde war beendet. Was momentan nur der Verstand kapiert, der Rest ist auf Radeln eingestellt…

Das Wetter begrüßte uns ungefähr so, wie es uns am Vorabend verabschiedet hatte: nass. Aber da steht man inzwischen drüber, zieht das Regenzeug an und los ging es Richtung Elbe. Zunächst durch nettes Bauernhinterland. Die Routenführung wieder mal ein bisschen zickzack, da direkt nach Brunsbüttel nur eine stark befahrene Straße führt. Schade, dass man als Radfahrer oft wie der Hase Haken schlagen muss vor dem Autorverkehr.

An einer Kuhweide ein Erlebnis der besonderen Art: eine Herde offensichtlich halbwüchsiger Kälber fand wohl die Abwechslung durch Radler ganz animierend. Zuerst rannte einzelne, dann immer mehr und plötzlich galoppierte die ganze Herde das Stück, dass die Länge der Weide zuließ, mit uns mit. Am Ende der Weide blieben wir kurz stehen und beäugten uns gegenseitig, bevor die Herde noch eine Runde rannte und wir weiter fuhren.

Hier im Hinterland gab es tatsächlich mal wieder so etwas wie kleinere Bergwertungen, kaum zu glauben. Beim Bergaufradeln wundert man sich, dass es trotz fehlenden Windes ab und zu relativ schwer zu treten geht, bis es dann mal wieder ein bisschen länger als nur vom Deich den Berg hinunterrollt.

So erreichten wir Brunsbüttel, wobei wir gleich zur Fähre über der Nord-Ostsee-Kanal abbogen und nicht in die Innenstadt fuhren. Es regnete sowieso gerade, als hätte es etwas nachzuholen (was eigentlich?), und da macht Stadtbesichtigung auch keinen Spaß. Einen Kilometer vor der Fähre führt die Route in parkähnlicher Situation an einem Fleth entlang. Sehr schön, aber leider nicht asphaltiert und bei diesem Wetter heftig überflutet. Wir mussten immer wieder durch bis zu 10 cm hohe Wasserlachen pflügen, das kann man vielleicht auch besser planen?

Danach war Elbe und Radeln auf dem Deichweg angesagt. Zuerst auf der Flussseite, gegen später meistens auf der Außenseite. Kilometerlang durch feuchte Schafshinterlassenschaften – wir sahen bald aus, als hätten wir darin gebadet, inklusive unserer Geräte samt Gepäck.

sheeppoo

Mit Schafshinterlassenschaften paniert

Der Abstecher nach Elmshorn, den die Route macht, rationalisierten wir weg. Es hätte mindestens 10 km heftigen Gegenwind bedeutet, und am Deich hatten wir ziemlich Rückenwind. So war unsere erste ernsthafte Berührung mit der Zivilisation erst wieder in Wedel, wo wir an der Schiffsbegrüßungsanlage pausierten. Ich nahm die Begrüßung eines Schiffs, was herein kam, auch für mich gerne an, ist man hier doch fast schon in Hamburg, das erste Ortsschild steht gleich am Ortsausgang Wedel.

Dann also die letzten Kilometer in die Stadt hinein. Ich konnte es noch etwas auskosten: An Teufelsbrück mussten wir eine Weile warten, bis Stefans Schwester uns dort empfing und uns den Schlüssel zu ihrer Wohnung gab. Man kann dort wunderbar auf einer Bank sitzen und das geschäftige Treiben auf der Elbe beobachten, es wurde uns nicht langweilig.

Aber auch die letzten ca. 5 km waren irgendwann weg geradelt. Auf der Kaistraße, die von der Elbe weg zur Max-Brauer-Allee führt, schloss sich der Kreis wirklich: Hier war ich am 27. Juni hinunter gerollt und musste jetzt diesen lästigen Berg wieder hinauf. Auch nach gut 9 Wochen Radeln ächzt man bei einer solche Bergwertung nach über 120 km bisheriger Tagesetappe zumindest leise…#

ende

Am Endpunkt = Anfangspunkt der Tour, schön war's

Nasse Schafe

29.08.2010

Bredstedt – Husum – Büsum – Meldorf

100 km

Eine Etappe mit viel Strecke hinterm Deich und am Nachmittag wieder super schlechtem Wetter. Gegen Ende fährt das Wetter noch mal alle miesen Tricks auf.

In wunderschönem Ambiente frühstückten wir im Cafe Frida. Der Name kommt von Frida Kahlo, viele Bilder von ihr sind überall aufgehängt. Delfter Kacheln an den Wänden und eine dazu passende stilvolle Einrichtung gaben diesem am Tisch servierten Frühstück einen ganz besonderen Rahmen. Also kein Frühstücksbuffet mehr, wo man noch selbst ‘arbeiten’ muss.

Zum Start gab es schon einen ersten kräftigen Regenguss. Diesen warteten wir ab, und es sollte für den Vormittag trocken bleiben, wenigstens. Von Bredstedt aus fuhren wir Richtung Süden, ließen also den ersten ‘Haken’ der Nordseerunde rund um Nordstrand aus. Die Geduld für die Haken und Schleifen der Route ist jetzt so kurz vor Schluss nicht mehr so vorhanden.

kunst

Kunst hinterm Deich kurz vor Husum

Bald erreichten wir Husum. Ein schönes Städtchen, was für einen kurzen Fotostopp genutzt wurde. Für Kaffeepause war es noch zu früh. Mittagspause gab es erst in Ülvesbüll, wo eine Gaststätte, der ‘Smeerkrog’ in the middle of nowhere an einer Kreuzung lag.

husum

Husum, bei Niedrigwasser

Wie uns die Besitzerin erzählte, war das ein Ort mit über 300-jähriger Tradition. Früher konnten die Bauern dort ihre Fuhrwerke und Karren schmieren lassen, daher der Name. Zollhaus war es außerdem, wovon heute die Viehwaage noch zeugt. Und während aller Dienstleistungen, die das fahrende Volk in Anspruch nahm, konnte man sich auch noch stärken und die trockene Kehle anfeuchten, deswegen ist hier auch schon lange die Gaststätte. Wirklich spannend, solche Geschichten zu erfahren, und sehr nett von der Besitzerin, uns so ausführlich schlau zu machen!

Südlich von Husum schwenkt die Route weit nach Westen nach St.-Peter-Ording, um nur wenige Kilometer südlich wieder westwärts zu verlaufen, ein ‘Haken’ von fast 40 km. Keiner von uns hatte das Bedürfnis, diesen touristischen Höhepunkt an der Küste anzuschauen und so kürzten wir auch hier ab. Das Landschaftserlebnis wurde sowieso weniger spaßig: es fing an zu regnen – Regenzeug an! Und wir sollten es nachmittags nicht mehr loswerden.

Das Eidersperrwerk war ein beeindruckendes Bauwerk, was man überquerte – wohl das größte deutsche Küstenschutzbauwerk. Mit riesigen Klappen kann hier zum Meer hin dicht gemacht werden. Mit großem Getöse gurgelten heute die Wassermassen in die Eider hinein, auflaufendes Wasser zusammen mit einem kräftigen Wind schob die Fluten an.

Und der blöde Wind hatte auf Südwest gedreht. Die 15 km nach Büsum gehören wohl zu den fiesesten meiner ganzen Tour: es schiffte immer wieder was ging, quasi horizontal von vorne und der Wind blies immer heftiger und ließ uns nur kriechend vorwärtskommen. Genau so, wie man sich es in seinen schlimmsten Vorstellungen vor so einer Tour ausmalen würde. Die Stimmung war dementsprechend auf einem ziemlichen Tief.

In Büsum scheuchte uns allerdings ein Touristenrummel der übelsten Sorte gleich wieder aus diesem Ort heraus. Auch die Jugendherberge sieht ein wenig wie ein Kasernengebäude aus und lud trotz des schlechten Wetters nicht zum Übernachten ein. Also noch mal 20 km nach Meldorf, wo auch wieder ein gehöriges Stück gegen den Wind ging mit gefühlt noch mal kräftigerer Schüttung.  Gegen Meldorf ließ es Gott sei Dank nach.

Wir fanden eine Bleibe im Hotel zur Linde am pittoresken Marktplatz. Nicht unsere günstigste Unterkunft, aber sehr angenehm. Der Eindruck verstärkte sich beim Essen, ich hatte Lammkoteletts mit Blattspinat und Kroketten, das Lamm kam vermutlich von direkt um die Ecke. Diese Mahlzeit war auf meiner Tour bestimmt das beste, was ich gegessen habe!

Über die Grænse

28.08.2010

Ribe – Rudbøl – Niebüll – Bredstedt

123 km

Nun sind wir wieder zurück in Deutschland, das letzte Land auf meiner Reise ist durchquert. Die Schafe blöken wieder in einer verständlichen Sprache.

Durch die schönen Gassen verließen wir heute morgen Ribe. Da dies ja ein Abstecher von der offiziellen Route war, mussten wir auf diese zurück. Allerdings wollten wir nicht einfach ‘platt’ nach Westen zurück, auch weil der Wind wieder fröhlich von dort blies. Deswegen blieben wir etwas im Hinterland des Deichs und siehe da, dort existiert eine offensichtlich alte, ausgeschilderte Version der ‘1’.

Bald waren wir aber wieder hinter dem Deich und rollten mal wieder zwischen den aromatischen Hinterlassenschaften der Deichschafe her. Etwas lästig waren auf diesem Abschnitt die Gatter – ziemlich häufig und von der extrem unpraktischen Sorte. Mit Anhänger war das noch weniger spaßig.

In Ballum verlässt die Route den Deich jedoch, da die Grenze in Rudbøl überquert wird, was ein wenig im Landesinnern liegt. Dort fanden wir zum Glück auch ein schönes Hotel, wo man uns eine ganze Thermoskanne Kaffee hinstellte und es warmen Apfelkuchen mit Crème fraiche dazu gab, lecker. Man muss hier wieder aufpassen, dass man einen Kaffee bekommt, die Gegend ist ziemlich einsam zur Grenze hin.

Der Rückenwind schob uns förmlich aus Dänemark heraus, bald war das alte Grenzhäuschen in Rudbøl erreicht. Dort hängen Bilder aus den 60ern, als die Deutschen scharenweise in Dänemark einfielen, um z. B. Butter zu bunkern. Heutzutage unvorstellbar, eher die Dänen fallen in den deutschen Aldi ein.

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Das ehemalige Zollhäuschen in Rudbøl

Dann also wieder Deutschland. Und wieder ist plötzlich alles anders. Die vielen Schotterwege sind Geschichte, das ist sehr nett. Aber von Anfang an wieder schlechte Radwege: Schlaglöcher, Wurzeln, zugeparkt, zugewachsen. Beschilderung ist zwar vorhanden, aber man ist froh, wenn man die Route auf dem GPS hat. Die Autolobby ist hier in Deutschland offensichtlich einfach stärker, schade.

In Dagebüll kommt man wieder an die Nordsee, und – welch Überraschung – man kann dort ganz lang auf der Meerseite am Deich fahren. Sehr schön, manchmal verläuft der gut asphaltierte und in gutem Zustand befindliche Weg direkt am Wasser entlang. Und mit dem inzwischen kräftigen Rückenwind schossen wir nur so zwischen den Schafen dahin, gebremst nur ab und zu von den auch hier selbstverständlich vorhandenen Gatter.

vordemdeich

Deichweg an der Meerseite, hier gings mit Rückenwind wie der Blitz voran!

Wir entschieden uns um kurz nach fünf  Uhr 7 km ins Landesinnere – nach Bredstedt – zu fahren, wir hatten gar keine Info über Übernachtungsmöglichkeiten und rechneten damit, dass es in diesem etwas größeren ‘Flecken’ ein Bett für uns gab. Vor dem Deich gibt es nun mal gar nichts.

Das Städtchen war für einen Samstagabend wohlwollend als erholsam ruhig zu beschreiben. Immerhin fanden wir ein bezahlbares Zimmer im ‘Cafe Frida’ und einen vertrauensvollen Italiener mit Pasta und Pizza, damit waren wir zufrieden.

Von der Düne an den Deich

27.08.2010

Sønder Havrvig – Oksbøl – Esbjerg – Ribe

114 km

Gut erholt gingen wir heute den letzten Teil der Nordseerunde an. Die Bedingungen waren zum Glück wieder sehr radlerfreundlich: heiter bis wolkig und anfangs fast windstill, später eine nette Brise aus Nordwest.

Zunächst ging der Dünenradweg noch ein ganzes Stück nach Süden weiter. Auch hier schlängelte er sich freundlich hinter der Hauptdünenlinie entlang, in meistens sehr gut rollender Qualität trotz feinen Schotters als Belag. Das Heidekraut blüht von Tag zu Tag kräftiger und man fuhr zwischen weiten lila Matten, eingebettet in die zart grünen Dünenhügel umher.

Am Ende des Ringkøbingfjords ist dann mal wieder eine alte Bahnstrecke Programm: kurz verläuft der Radweg auf ihr, weiter südlich hörte man immer wieder Gerumpel auf den alten Schienen und Gekicher, man kann dort auf den noch bestehenden Schienen Draisine fahren. Wir waren allerdings deutlich schneller.

Dann wurde es wahrhaft militärisch: große Bereiche sind als Schießgebiete markiert und wir fuhren an einer bemannten Panzerhaubitze vorbei, die uns später sogar mit einem unglaublichen Getöse und gefühltem Erdbeben überholte. Das Dünenland ist auch immer wieder durchzogen von tiefen Schneisen, die die Kettenfahrzeuge in die Heide fräsen. In Oksbøl machten wir Pause, auch dort war ein Uniformierter zu sehen.

Kurz vor den Stadtgrenzen von Esbjerg dann ein echter Hingucker: die beeindruckend großen Skuplturen aus weißem Beton ‘Mennesket ved Havet’. Sie sind vom dänischen Künstler Svend Wiig Hansen und sollen die pure und unverdorbene Begegnung des Menschen mit der Natur schildern – bevor er sich erhebt, um zu ‘handeln’. Stoisch starren die weißen Betongesichter aufs Meer hinaus und die Besucher sitzen auf den dazu gehörigen Füßen.

esbjerg

Mennesket ved Havet - Der Mensch am Meer, machen allein ob ihrer Größe was her!

Esbjerg selbst kann man so schnell verlassen, wie man hinein gefahren ist. Die Route macht hier auch wieder einen großen Bogen um die Innenstadt, und wir wollten schon mal schauen, wie es da aussieht. Fast wären wir ganz schnell hinaus gefahren – wir befanden uns quasi schon auf der Autobahnauffahrt, als uns ein LKW-Fahrer wild gestikulierend und in fremden Worten zu verstehen gab, dass wir die Straßenseite wechseln müssen, um auf der Route für die Radler zu bleiben.

Das Land ist hier komplett flach, es gibt keine Dünen mehr, sondern das Wattenmeer beginnt hier wieder. Deswegen ist man wieder am Deich – die Runde schließt sich langsam, das kennt man doch schon… Schafe, deren Hinterlassenschaften auf einem einsamen Asphaltweg, ab und zu eine Schleuse. Von weitem sah man schon den Dom von Ribe, unser anvisiertes Tagesziel.

Und das Ziel war der heutige Höhepunkt: so ein schönes mittelalterliches Städtchen. Ganz entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten zogen wir noch einmal los, um einen Blick in möglichst viele der schönen Gassen mit den vielen wunderbar erhaltenen mehrere hundert Jahre alten Häusern zu werfen. Im Hotel Dagmar gab es einen lustigen Barkeeper und ein Getränk von ihm, danach nahmen wir am Rundgang des Nachtwächters teil – natürlich mit einem ganzen Pulk sonstiger Touristen. Sie waren zu zweit, sangen traditionelle Nachtwächterlieder und erzählten an manchen Ecken etwas über die Stadt und deren lange Geschichte. Eine sehr angenehme Touristenbelustigung.

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Blick von unserem Hostelfenster auf die schöne Altstadt von Ribe

Dünenland

26.08.2010

Ruhetag in Sønder Havrvrig

Ach, was haben wir uns für einen gemütlichen Tag in den Dünen gegönnt. Das Häuschen von unserer Gastgeberin ist wunderschön gelegen mit Sicht auf Dünen und Ringkøbingfjord und übt eine sehr erholsame Wirkung auf die Personen in ihm aus. Deswegen sollen heute auch gar nicht viel Worte über einen vermutlich ganz normalen Urlaubstag verloren werden, dafür ein paar Fotos, die für sich sprechen.

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Wildrosenbusch im Garten

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Dünenblick

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Im Hafen von Hvide Sande

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Abgesackter Bunker am Strand von Sønder Havrvrig

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Am Strand - Nahaufnahme

Immer noch stürmisch

25.08.2010

Agger – Hurup – (Bahn) – Ringkøbing – Sønder Havrvig

43 km

Die Prognosen hatte leider recht behalten. Der Wind blies unvermindert von Westen in Sturmstärke übers Land. Da wir nicht noch einen Tag tatenlos verstreichen lassen wollten, bauten wir in die heutige Etappe wieder ein paar Bahnkilometer ein.

Unser Ziel war genau definiert: Südlich von Hvide Sande hat die Schwester meiner Nachbarin ein Sommerhaus, wo wir Station machen wollten. Das wäre bei normalen Bedingungen genau eine Tagesetappe gewesen, wir hatten uns eingentlich schon für den Vortag angemeldet. Da die Strecke nicht nur auf den ersten 10 km derartig den Sturmböen ausgesetzt gewesen wäre, sondern es noch mehr solche Strecken in dieser Gegend gibt, beschlossen wir, bis Ringkøbing die Bahn zu nehmen.

Deswegen ging es zunächst mit diesem kräftigen Wind meistens im Rücken nach Hurup, wo die nächste Bahnstation lag. Das war eine ganz andere Radelerfahrung wie am Tag zuvor auf der Agger Tange, wo der Wind schräg von vorne kam und es quasi nur noch eine Straße im Meer gibt. Ratz-Fatz waren wir da und entkamen einem letzten sintflutartigen Schauer gerade so.

Die Bahnfahrt verlief problemlos, in kleinen, modernen, sauberen Nahverkehrszügen, sogar mit kostenlosem WLAN. Bald war Ringkøbing erreicht, ein nettes Städtchen. In einem schönen gepflasterten Hinterhof stärkten wir uns für die 10 km, die wir gegen den Wind nach Westen zurücklegen mussten.

Und das war sehr vernünftig. Kaum mit zweistelligen Geschwindigkeiten krochen wir gegen den Wind an. Wir überholten ein Paar Jogger mit kaum größerer Geschwindigkeit, als diese drauf hatten. Nach einem Pinkelstopp unsererseits hatten sie uns schnell wieder selbst überholt. Das gute daran war mal wieder, dass der schlechte Schotterweg kaum nervte…

Irgendwann kamen wir dann allerdings tatsächlich ‘ums Eck’, also an die Küste, wo es südwärts weiter ging. Und was für eine Überraschung: der Wind kam leicht aus Nordwesten und unterstützte uns stellenweise ganz gut. Dazu war der Weg nach Hvide Sande und weiter südlich davon mal wieder sehr schön: völlig autofrei schlängelt sich über viele Kilometer ein sehr schön laufender Schotterweg hinter der Düne her. So macht die Radlerei wieder Spaß und die paar Stellen, wo es nach Westen ging oder der Schotter mal wieder extrem hoppelig war, fielen nicht so sehr ins Gewicht.

Bald waren wir in dem schönen Sommerhäuschen mitten in den Dünen angekommen, wo wir den spannenden Geschichten unserer Gastgeberin lauschen durften, die viele Jahre für das rote Kreuz in der sogenannten dritten Welt als Ärztin gearbeitet hat.

Gestrandet

24.08.2010
tags: ,

Schlechtwettertag in Agger

2,5 km

OK, das wird vermutlich den Rekord des schlechtesten Wetters der Tour bekommen und nicht mehr verlieren. Schlimmer geht fast nicht. Mir zumindest war die Radlerei heute so gut wie unmöglich – Sturm mit Böen mit bis zu 80 km/h, die mich von der Seite immer wieder auf die Mitte der Straße und fast umwehten.

Die ganze Nacht schon tobte der Sturm um unser Campinghäuschen. Die Richtung hatte er gewechselt: Hatte er gestern noch oft unterstützend von Osten geweht, drehte er irgendwann wieder auf (Süd-)Westen, um dann komplett Gas zu geben. Diese  Richtung war aber komplett unbrauchbar für die folgende Etappe. Mit einem sehr mulmigen Gefühl saß ich deswegen beim Frühstück, gingen die ersten 10 km doch auf einer wenige 100 m schmalen Landzunge nach Süden, so dass der Wind dort ungehemmt schräg von der Seite hinein hauen würde. Und auch der Rest der Etappe sah ähnlich aus: direkt am Meer mit wenig bis gar keinen Schutz durch Hügel oder Bewuchs.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Hatte ich auf dem Campingplatz noch das Gefühl, es ginge doch einigermaßen, war auf dieser ungeschützten Straße schnell Schluss mit lustig. Stefan konnte dem Wind noch einigermaßen etwas entgegensetzen, aber ich mit meinen Lowridertaschen und meinen gut 50 kg wurde in kürzester Zeit mehrfach hin und her gebeutelt. Immer wieder fand ich mich in der Mitte der Straße wieder, gefühlt kurz vor dem Abwurf von meinem Rad, ein vernünftiges Fortkommen schlicht unmöglich.

So drehten wir um und fuhren erst mal wieder zum Campingplatz zurück. Hier gibt es einen schönen Aufenthaltsraum, in dem wir erst mal eine Strategie entwickelten. Wir entschieden uns, zunächst mal abzuwarten, ob es vielleicht gegen Nachmittag etwas besser wwürde. Die Prognosen waren allerdings alle gegen uns: Sogar noch mehr Wind wurde uns für den Nachmittag versprochen.

Es schien sich zu bewahrheiten, der Sturm heulte um halb eins noch genau so heftig wie zuvor. Also bezogen wir unser Hüttchen von der Nacht zuvor neu. Die viele Zeit, die wir nun hatten, nutzen wir zumindest zu einem Teil, in dem wir ins 1 km entfernte Agger fuhren. Wir hatten bis jetzt ja nur den Campingplatz gesehen.

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Ein altes Fischerhäuschen in Agger

Auch Agger ist einer der typischen Küstenorte hier: haufenweise Sommerhäuser oder Feriensiedlungen, zwischendrin putzige kleine alte Fischerhäuschen. Aufgrund der Nachsaison schien auch hier ein wenig der Hund begraben. Einen Kaffee bekamen wir in einem Take-Away, alles andere hatte zu, ob zu früh am Tag oder wegen der Nachsaison, konnte man nicht ermitteln.

Wir wagten uns kurz über die Düne an den Strand: brutal blies einem der Wind hier den Sand um die Ohren, am Durchgang in der Düne war das durch den Düseneffekt kaum auszuhalten. Die Brecher waren beeindruckend. Der Lärm ohrenbetäubend. Gemütlich ist anders.

brecher

Sturm direkt am Strand - kaum auszuhalten

Dafür kauften wir ordentlich ein, endlich mal ein wenig Zeit, etwas aufwändiger zu kochen. Ein erstaunlich gut sortierter und mit schönen frischen Waren bestückter Sparladen versorgte uns gut. Ein paar alte Fischerhäuschen waren noch zu besichtigen, bzw. zu fotografieren, und dann ging es wieder zurück zu gezwungenermaßen gemütlichem Nichtstun in unsere Hytte. Naja, so hat man wenigstens mal etwas von der zugegeben sehr schönen Unterkunft!

Gegen Abend kamen wieder sintflutartige Schauer zu der allgemeinen Wettersituation dazu – offensichtlich eine gute Entscheidung, nicht draußen auf dem Rad zu sitzen. Und es tobt weiter. Die Prognosen versprechen uns im Moment einen weiteren derartigen – oder abartigen – Tag.

Abkürzen

23.08.2010

Klim Strand – Bulbjerg – Nors – Nørre Vørupør – Agger

109 km

Ich bin jetzt endgültig ‘rum ums Eck’: von jetzt an geht es nur noch nach Süden, in Richtung Hamburg. Wunderschön begann diese Etappe, mit viel Sonne und keinem Wind mehr und endete mit sintflutartigem stürmischen Unwetter. Also auch heute hatte Dänemark wieder ordentlich Wetterextreme im Programm.

Sonnenschein durchflutete unsere wirklich schöne Campinghütte heute morgen. Auch vom kräftigen Wind war heute morgen quasi nichts übrig geblieben, hurra! So machte das um kurz nach neun Uhr, als wir aufbrachen, mal wieder viel Spaß.

Ein längeres Stück Schotterweg war noch auf dem ersten Stück Route, aber es rollte ganz gut. Bald hatten wir den Bulbjerg erreicht, auch das wieder ein schöner Aussichtspunkt auf den Höhen einer sandigen Steilküste. Am höchsten Punkt steht ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg – wie an vielen Stellen hier an der Küste. Hier wird er pfiffig als Besucherzentrum genützt und wo einst das Militär den strategisch wichtigen Bereich beobachtete, können nun Vogelbegeisterte nach Seevögeln Ausschau halten.

bulbjerg

Blick vom Bulbjerg die sandigen Klippen hinunter

Nun stand wieder eine Küstenecke auf dem Routenprogramm. Allerdings machte die offizielle Route hier einige unsinnige Schlenker, die wohl einerseits den Besuch der Orte an der Küste zum Ziel haben, andererseits die genau an der Küste verlaufende Landstraße vermeiden sollen. Deswegen machten wir uns heute recht oft unsere eigene Route und kürzten ein wenig ab. Ein Effekt dieser Routenführung war, dass man ein wenig ins Hinterland kam, wo zum einen sich das Land wieder sanft wellt und zum anderen wieder etwas mehr Landwirtschaft betrieben wird. Die letzten Kilometer waren quasi nur hinter der Düne oder im Schutzwald, der ‘Klit Plantage’, verlaufen, so war der weite Blick über Äcker oder auch hin und wieder einer Kuh aufs Maul geschaut eine willkommene Abwechslung.

Wir kreuzten immmer wieder die Grenze des ersten und einzigen dänischen Nationalparks, dem ‘Thy Nationalpark’. Man fuhr auf sehr ruhigen Sträßchen an ein paar schönen Seen entlang. Die Zersiedelung mit Ferienhäuschen ist hier feststellbar wesentlich geringer als in manchen Gebieten an der Nordküste, die wir zuletzt gesehen hatten.

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Am Nors Sø

Aufgrund unserer eigenen Streckenführung kamen wir außer in Nors, wo außer einem Spar-Laden keinerlei Infrastruktur vorhanden war, erst in Nørre Vørupør wieder an Plätze mit gastronomischen Dienstleistungen. Passte aber ganz gut, da die sich stetig verdichtende Wolkendecke inzwischen undicht geworden war. Nach Hamburger, Fiskebrød und Kaffee war dann eben wieder Regenzeug-Zeit, da es noch zu früh am Tag war, um die Etappe zu beenden. So legten wir noch einmal knapp 30 km Richtung Süden drauf. Der Wind hatte inzwischen aufgefrischt aber schon seit einiger Zeit auf Osten gedreht und unterstützte uns oft. Obwohl der Regen immer stärker wurde, liefen diese km ganz gut. Als wir allerdings bei Agger den Kvik Vig Campingplatz erreichten, waren wir doch ganz froh, eine trockene Hütte mieten zu können. Wieder ein sehr nettes Häuschen!